Das Bad, baden

Von Alfred Martin.

1. Entwicklung des deutschen Badewesens
2. Abergläubische Begründung des Nichtbads
3. Die Wochentage
a) Sonntag und Freitag
b) Samstag
c) Andere Badetage
d) Donnerstag
4. Einfluß der Gestirne auf die Wahl des Badetages
5. Zahlenaberglaube bei der Badekur
6. Jahreszeiten
a) Winter
b) Dreikönigstag
c) Märzenbäder
d) Karfreitag und Ostern
e) Frühlingsbäder
f) Sommerkultbadezeit (Johannisbad)
g) Hochsommer und Herbst
h) Bad in Tau, Flachs, Korn und Sand
7. Bad im Fluss, See, Teich, Meer
8. Badestube und Ofen
a) Badestube
b) Schwitzbad im Ofen
9. Das Bad in der Wohnung, Zauberbäder
10. Bad zu Heilzwecken in kalten Quellen usw.
a) Kalte Quelle
b) Eintauchen
c) Fernerkur
d) Kalmus
e) Meerbäder
11. Heilbäder
12. Das Bad der Gebärmutter.

1. Ein kurzer Bericht über die Entwicklung des dt. Badewesens ist zum Verständnis des Badeaberglaubens notwendig. Sicher hat der Deutsche frühzeitig das warme Wasserbad benutzt. Daneben erscheint das Dampf- (Schwitz-) Bad, in dem der Dampf durch Begießen glühend gemachter Steine mit Wasser erzeugt und bei dem der Körper mit dem Badequast oder -wedel, einer meist aus Birkenzweigen gebundenen Rute, gepeitscht wird. Dieses Bad findet sich bei den Nordgermanen, den baltischen Völkern und den Slawen und war in Deutschland Jahrhunderte lang das Reinigungsbad des Volkes. Seit wann es gebraucht wurde, ob die Slawen es den Germanen oder diese den Slawen brachten, ist strittig. Schrader1) erörtert die Fragen eingehend. Im Dampfbad rieb man den Körper vor dem eigentlichen Bade, dem Schwitzen, mit Lauge, einer Pottasche- (Kalium carbonicum-) Lösung ab, die man dadurch herstellte, dass Holzasche in einem Sack mit heißem Wasser übergossen wurde, aus dem sie abfloss. Seit dem Ende des 15. Jhs. nahm dies Bad in Deutschland (auch in Skandinavien) allmählich ab. Zunächst wirkte der damals einsetzende Holzmangel. Das Auftreten der Syphilis und Kriege, namentlich der dreißigjährige, ließen es allmählich zu dem alle Quartal genommenen Schröpfbade herabsinken, bei dem auch an Stelle des Dampfes Heißluft trat, das mit dem ausgehenden 18. Jh. verschwand. - Mit dem Auftreten des Dampfbades als Reinigungsbad bekam das warme Wasserbad eine besondere Stellung. Es wurde das Bad der Vornehmen, der Besitzenden, das Bad zum Vergnügen und zu Heilzwecken. Man aß und trank darin wie in den natürlichen Heilbädern. Es wurde in der privaten und der öffentlichen Badestube genommen. - Mit dem Verschwinden der alten dt. Badestube verlor sich das Badebedürfnis. Von den größeren Städten aus dringt seit den letzten Jahrzehnten das Baden wieder ins Volk, wenn auch bei der Landbevölkerung sehr langsam. - Das Flussbaden wurde, wo Gelegenheit dazu vorhanden war und dann nicht immer, von der Jugend, besonders der männlichen, mehr zur Erfrischung und zum Vergnügen, denn zur Reinigung, von jeher gepflegt. Fehlte die Gelegenheit, so war für viele, auch heute noch Lebende, das letzte Kindsbad das letzte Bad im Leben. Auch bei den Völkern, in deren Kult das Wasser als Reinigungsmittel eine Rolle spielt, ist es oft mit dem wirklichen Reinigen durch Waschen und Baden schlecht bestellt. Das Eintauchen der Fingerspitzen genügt symbolisch als Waschung, das kultisch gebrauchte Wasser ist manchmal schmutziger als der Körper, und aus Aberglauben wird selbst das ärztlich für notwendig erachtete Bad verweigert.

1) Schrader Reallex.2 1, 77. 461. Im übrigen s. Martin Badewesen (im folgenden stets nur Martin zitiert).


Konstanzer Badestube zu Beginn des 14. Jh. Rekonstruktion eines Wandgemäldes dortselbst nach Ettmüller.
2. Eine abergläubische Begründung des Nichtbadens ist selten. In Hänner bei Säckingen (Baden) ist das erste Bad auch das letzte; denn Bäder sollen den Augen schädlich sein2). Aus dem Frankenwald liegt ein recht unbestimmter Bericht vor: das Neugeborene zu baden, ist wenig gebräuchlich, man ist dem Baden sogar sehr abgeneigt und redet ihm allerlei Übles nach3). Hovorka und Kronfeld geben als im Volke weit verbreitete Anschauung an, dass regelmäßiges und gar häufiges Baden die Kinder schwäche, und beziehen dies auf das Baden des Kleinkindes4). In Dessau zehrt das Bad, wobei man das viele und lange Baden in der Mulde im Auge hat5).

Büßende badeten nicht. Der Teichner klagt im 14. Jh., dass Wallfahrer, die doch zu den Büßenden zählen, sich scheren und "gen gein pat". Der exkommunizierte Kaiser Heinrich IV. brachte die Weihnachtsfeiertage 1105 in Bichelsheim non balneatus et intonsus (nicht gebadet und ungeschoren) zu6). Auch Fastende badeten nicht (s. 3b), womit das Nichtbaden am Freitag (s. 3a) zu erklären ist. Besonders fromme Personen badeten nie, so der Bischof Reginald von Lüttich (1037); Cäsarius von Heisterbach erzählt von einem frommen Mönche, dessen Körper vor Unsauberkeit und Ungeziefer starrte7). Baden galt eben als Vergnügen. Clemens von Alexandrien sagt, Baden zur Lust ist verboten; den Weibern ist es erlaubt, wenn sie es tun, sich zu reinigen und ihrer Gesundheit halber, den Mannspersonen aber nur der Gesundheit halber8). Der hl. Benedikt gestattete in seiner 515 entworfenen Ordensregel den Ordensbrüdern mäßigen Gebrauch der Bäder. Kranke sollten baden, so oft es der Zustand erforderte, junge Leute nur selten9). Nach Wilhelm von Hirsau (1091) war es zu seiner Zeit bei den Menschen üblich, nach dem Haarschneiden zu baden. Aber von unseren Bädern (im Benediktinerkloster Hirsau in Württemberg) ist nicht viel zu sagen, denn nur an 2 Tagen darf man ohne besondere Erlaubnis bad, vor Weihnachten und vor Ostern, in Krankheitsfällen mit Erlaubnis auch zu anderen Zeiten. Das im Kloster genommene Bad (auch die Lauge) war zu segnen (Formel bei Franz)10). Das Aachener Konzil von 817 machte die Bäder der Mönche von der Erlaubnis des Priors abhängig11). Die Badeanlage im Kloster St. Gallen und das öftere Vorkommen des Bades in St. Galler Quellen12) spricht für häufige Erteilung dieser Erlaubnis.

2) Meyer Baden 16.
3) Ploß Kind 1, 217 = Flügel Volksmedizin 51.
4) 2, 641. 5) Eigene Jugenderinnerung.
6) Martin 9.
7) Martin 9.
8) Stolle Kirchenväter 101 Nr. XXIV.
9) Martin 8.
10) Franz Benediktionen 1, 644.
11) Weinhold Frauen1 342. 12) Martin 6 ff.

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3. Die Wochentage
Ein altes Spruchgedicht sagt: »Am Montag bad die truncken, am Aftermontag die reichen, am Mittwoch die witzigen, am Donnerstag die gryndig vnd lausig seind, am Freytag die vngehorsamen, am samsstag die hochvertigen«13).

a) Sonntag und Freitag wurde nicht gebadet. 1599 erhielt der Türmer von Würzburg einen Verweis, weil er am Sonntag statt am Samstag Bad gehalten14). - Bei den Esten wird das Bad am Sonntag für eine sündhafte Handlung angesehen, und sie verweisen dabei auf die beiden 'Mondleute', ein Ehepaar, das am Sonntag in die Badestube ging und, als es gerade den mit Wasser angefüllten Zuber forttragen wollte, von den zürnenden Göttern samt dem Wassergeschirr von der Erde aufgehoben und zum warnenden Beispiel im Monde aufgestellt wurde, wie jedermann im Vollmonde sehen kann15). Baden am Sonntag s. 10, an Sonntagen im Mai, an Himmelfahrt s. 6e, im August s. 6 g.

Vom Freitag heißt es 1466: »so findt er dann die kubel (in der Badestube) lere«16). Besondere Verbote für das Heizen der Badestuben am Freitag wurden erlassen in Nürnberg (13. u. 14. Jh.), Luzern 1320, Esslingen (auch für die Fastenzeit) 1487. Eine Ausnahme machte Konstanz, wo 1483 den meisten mit »erlobung ains zunftmaisters« Bad zu halten gestattet wurde, aber nur für die, welche das Bad 'gefrümpt' hatten17).

Auch das Kind soll an diesem Tage nicht gebadet werden, in Steiermark18), in Schwaben19), nach der Chemnitzer Rockenphilosophie, weil das Kind aus der Ruhe kommt20).

Im Berner Jura verbietet der Volksglaube das Eintauchen kranker Kinder in den (kalten) Brunnen der hl. Columba am Freitag21). Baden an 3 Freitagen im März s. 6c, in der Karfreitagsnacht s. 6d.

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Das Samstagabendsbad in der Stube. Holzstich nach einem Gemälde von G. Geselschap, Ende 19. Jh.
b) Der Hauptbadetag ist und war der Samstag, altnord. laugardagr = Badetag, schwed. lördag, dän. löverdag22). Christlicherseits wurde das Samstagsbad von Gläubigen als Kultbad (der körperlichen und geistigen Reinigung) wenigstens in früherer Zeit aufgefaßt. Die Eltern des gelehrten St. Galler Mönchs Iso (871) badeten nach 40tägigem Fasten am hl. Samstag vor Ostern, und, als sie danach geschlechtlich verkehrt hatten, zum 2. Male23). Ein Bischof von Neustrien, der zur Fastenzeit Fleisch gegessen hatte, forderte am hl. Osterabend aus der ganzen Stadt viele Badewannen zusammen und ließ allen Dürftigen warme Bäder darbieten. Er selbst nahm jedem einzelnen den Bart ab und reinigte mit seinen Fingern die Geschwüre der borstigen Körper. Zuletzt ging er selbst ins Bad und stieg mit gereinigtem Bewusstsein daraus hervor (Mönch von St. Gallen)24).

Das Volk sah im Samstagsbad ein Reinigungsbad vor dem Feiertag ohne kultischen Gedanken. Zu Anfang des 17. Jhs. sagt der steirische Physikus Guarinonius, der gemeine 'Böffel' und viele ansehnliche Bürger aller Stände halten am »schweiß- und dempfbad ... dermaßen steiff vnd starck ..., dass sie vermeyneten viel verloren vnd verabsaumbt zu haben, wann sie nit alle Sambstag vor dem Sontag, oder alle Feyrabend vor den Fest- und Feyrtägen (Sommer und Winter), in das gemeine feil und besondere Schweißbad gehen, schwitzen, sich reiben, fegen, butzen, vnd abwaschen lassen sollten.« Alle Samstag laufen die Handwerker dem Bade zu, nicht allein ihren Schmutz und Wust, sondern auch den an ihnen vertrockneten Schweiß durch geringen Schweiß wieder vom Leib »abzuschwentzen«25). Man kann dies Bad auch als Abschluß der Arbeitszeit auffassen, denn nicht nur am Ende der Arbeitswoche ging man ins Bad (hörte früher mit der Arbeit auf und erhielt vom Arbeitgeber noch Badgeld), sondern auch nach Abschluss größerer Arbeiten, nach Vollendung von Bauten (Frankfurt 1429, 1436), der Ernte (Basel 1559, Mosbach 1527, Kloster Denkendorf bei Esslingen), der Weinlese (Klosterneuburg 15. Jh.), der Jagd (Frankfurt 1338)26). Auch die Pariser Fakultät ging in der 2. Hälfte des 15. Jhs. einmal und zwar im Winter nach der letzten Disputation im Schuljahr auf Kosten der Baccalaurei ins Bad27).

Die Auffassung des Samstagsbades als Kultbad bestand in der Ukraine. Gogol beschreibt in einer Erzählung, der Saporoth'skaja Sëtsch oder Retsch, eine Sitte, nach der in alten Zeiten jeder, der in den Bund der Ukrainischen Kosaken aufgenommen werden sollte, gefragt wurde, ob er orthodox sei, nach Bejahung der Frage, ob er Samstags auch regelmäßig sein Dampfbad nehme. Darauf wurde er aufgefordert, zur Bestätigung sich vor allen zu bekreuzigen. Am Samstag nicht zu baden (auch nicht das Haar zu schneiden und den Kopf zu waschen), zählt nach Johannes Herolt (aus Basel, 1. Hälfte des 15. Jhs.)28) zum Aberglauben29), weil damit nach jüdischer Art der Sabbat statt des Sonntags zum Feiertag gemacht wird.

Die Esten machen (1641) am Sonnabend (welches ihr Badetag ist) »niemaln die Lauge, womit sie sich waschen wollen, des Nachmittags, sondern verfertigen selbige des Freitags vorher oder des Sonnabends Vormittag. Nun hat einstmals ein sonst feiner und ehrbarer Mann aus ihnen erzählet, es sei einst in seinem Hause aus Unbedachtsamkeit der Magd des Sonnabends nachmittags Lauge gemacht worden, da wäre dieselbe alsobald zusammen gelofen und als geronnenes Blut geworden.« In Wierland, wo von einigen (1854) die Badelauge, namentlich wenn sie damit ihren Kindern den Kopf waschen wollen, tags vorher bereitet wurde, gab man dafür als Grund an, die am Sonnabend bereitete Lauge verursache leicht Kopfausschläge30). Im ostrussischen Gouvernement Wjatka, wo man am Freitag badet, wird die Lauge am Donnerstagmorgen bereitet, wie mir eine dortige deutsche Dame mitteilte.

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Russisches Dampfbad
Blick in eine russische Badestube. Holzstich nach einer Zeichnung von G. Broling, um 1890.

c) Andere Badetage. In Dörfern und kleinen Städten wurde nur Samstags gebadet, in Frankfurt a. M. aber durfte es während der Messe und an Fürstentagen mit Ausnahme der Karwoche und der Feiertage an allen Tagen geschehen. Zwickau hatte 1284 Montag, Mittwoch und Samstag als Badetage, öfter kommen Dienstag, Donnerstag und Samstag vor, z.Bad 1536 in Durlach, so auch in Zürich, wo nach der Ordnung der 5 Meister Bader von 1604 im Sommer an den ungeraden Tagen gemeiniglich nicht geheizt wurde, für Fremde aber auch an anderen Tagen31).

Wenn nach dem obigen Spruchgedicht am Montag die Trunkenen bad (auch Clara Hätzlerin sagt das)32), so hängt dies wohl mit dem guten (blauen) Montag, an dem oft nicht gearbeitet wurde, zusammen. In Amberg durften die Gesellen alle 14 Tage ihren guten Montag, den sog. Badtag, erst des Nachmittags nach beendetem Tagwerk halten, und die Ulmer Meistersingertabulatur von 1644 bestimmte, dass der Krongewinner gleich den Montag nach der Freischule ein Singbad anstellen solle33).

In Schwaben soll das 1. Kindsbad am Mittwoch gegeben werden34).

d) Eine besondere Stellung hat der Donnerstag als Badetag. In ganz Schweden enthielt man sich am Donnerstag (Helga þôr)-Abend des Schwimmens35). Die Esten heizten (1641) keine Badestube am Donnerstagabend (die Zauberer zeigen besonders Donnerstagsabend ihre Tätigkeit, namentlich in der Badestube, obgleich auch an anderen Tagen die Menschen von ihrer Schädigung nicht frei sind)36), und während 1854 im Werroschen Kreise die Samstagsbadstube nur als körperliches Reinigungsmittel geachtet ist, geschieht das Badstubenheizen zu Heilzwecken nur am Donnerstag37). Dazu sei aus obigem Spruchgedicht wiederholt, dass am Donnerstag bad, die grindig und lausig sind.

Hat sich eine Schwangere über einen Wolf erschreckt, dann soll das Neugeborene nach dem Glauben der Esten im Werroschen Kreise (1854) die Wolfsseuche bekommen. Das Kind schreit mit heiserer Stimme, verdreht die Augen und ist dabei sehr schreckhaft. Dagegen heizt man am Donnerstag die Badestube, badet und quästet (d.h. peitscht mit dem Badequast) dort das Kind, trägt es dann dreimal um die Badestube und schreit dabei: Hurjoh! Hurjoh!, als hetze man einen Wolf von der Herde fort. Schlägt die Kur nicht an, macht man 3 Donnerstage hintereinander ein Kreuz über das Kind und stößt dabei den obigen Ruf aus38).

In einem Fastnachtsspiele des 15. Jhs. werden die Wünsche einer Frau für jeden Tag angeführt: »Am phinztag sie zum pad begert«39). Die Badstuben- oder Badwaidordnung von Sonthofen in Bayern von 1544 schrieb vor, im ganzen Jahr wöchentlich 1 Bad am Samstag zu halten, aber »mörzenbäder an den 3 Domstag in Mörzen«, und zu Rohrbach fanden »an den dreyen phinztagen im Merzen die Merzenpäder« statt. In Kalenderversen Oswalds von Wolkenstein (15. Jh.) heißt es bei März: »âdryânus der wardt gesund phincztages inn merczischen pad«40).

Man schreibt dem Donnerstagsbad also eine besondere Heilkraft zu, während der Abend zum Bad gemieden wird.

Bad der Kinder an 3 Mittwochen im Mai s. 6e.

13) Lammert 51
14) Martin 175
15) Boecler Ehsten 103
16) Lammert 51
17) Martin 183
18) Fossel Volksmedizin 67
19) Ploß Kind 1, 30
20) Grimm Myth. 3, 437 Nr. 88
21) Martin 20
22) Grimm Myth. 1, 104
23) GddV. 10. Jh. 9. Bd. (1878), 46
24) Martin 8f
25) Ebd. 176
26) Ebd. 177 ff
27) La Gazette des Eaux 1914, 751
28) R. Cruel Gesch. d. dt. Predigt im MA. (Detmold 1879) 480
29) ZfVk. 22 (1912), 242
30) Boecler Ehsten 102f
31) Martin 183. 32) Martin 180
33) Ebd. 181
34) Ploß Kind 1, 30
35) Mannhardt Germ. Mythen 147
36) Eisen Estnische Mythologie 10
37) Boecler Ehsten 101f
38) Ebd. 62. 39) Martin 183
40) Martin 16 ff.

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4. Einfluss der Gestirne auf die Wahl des Badetages
Die Bestimmung der Badezeiten auf astrologischer Unterlage ist, wenigstens die uns bekannte, fremdes, durch die Ärzte in unser Volk hineingetragenes Gut. Die Mainauer Naturlehre aus dem Ende des 13. Jhs., die älteste Bearbeitung des Regimen sanitatis, stimmt beinahe, wenn auch nicht wörtlich, mit einer in Basel aufbewahrten provenzalischen Handschrift aus Montpellier überein. Die auf obrigkeitlichen Befehl von Ärzten verfassten Volkskalender, deren Unterlage meist der des Regiomontanus (Johannes Müller von Königsberg) ist, machten nach Erfindung des Buchdrucks das Volk mit dem Einfluss der Gestirne auf das Bad bekannt. Im St. Galler Codex 760 ist angegeben, im abnehmenden Mond zu bad und wenn der Mond im Widder, Skorpion, Krebs oder den Fischen ist. Zugefügt ist noch, dass Meister Halevy spricht, in keinem heißen Zeichen als im Löwen, Jungfrau, Zwillingen und Steinbock in das Bad zu gehen. Viele werden sich danach gerichtet haben. Sicher wird das bewiesen durch die Ordnung der 5 Meister Bader in Zürich von 1604: »Demnach söllent die fünff Meister ein täfeli haben, darjnnen sy mit jren nammen geschriben sind. Da sol nun je der eltist Meister zum vorderisten, vnnd dann also ein anderen nach, vom kräps, biß jnn Zwiling, diß täfeli by synen hannden haben. Derselbig Meister soll alßdann die anfrag thun, wann vnnd wie man jm schützen vnnd jm waßerman heitzen welle, vnnd waß sich dann dryg (3) vnnder jnnen mit einanderen verglichen thetind, sol alßdann der meister, der die Vmfrag vnnd diß täfeli hat, sölliches den vberigen beiden Meisteren verkünden, damit man also einheilig heitzen khönne, vßgenommen alle Sambstag, doran ein jeder sonst ze heitzen befügt jst.« Die zum Bad günstigen Himmelszeichen sind im Züricher Kalender bis 1826 samt dem Aderlassmännlein angegeben. 1827 findet sich eine moderne Anweisung zum Gebrauch der Bäder mit dem Zusatze, dass die Alten einigen Wert auf den Einfluss, den der Mond auf unseren Körper habe, legten und deswegen der Kalender die Himmelszeichen noch bringe, damit niemand nichts vermisse. Von 1833 an wird das Bad nicht mehr erwähnt41).

41) Martin 173 ff

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Das Bad im Zeichen des Planeten Venus. Holzschnitt aus 'Eyn nyge Kalender recht hollende', 1519.

5. Ein Zahlenaberglaube bei der Badekur, auch seitens Gebildeter, besteht heute noch. Zuweilen erklären mir Kranke in Bad Nauheim, die Kur sei nur wirksam, wenn sie 21 Bäder nehmen, seltener, dass die Kur 3 Jahre hintereinander gebraucht werden muss. In den meisten Schweizer Kurorten betrug Mitte des 19. Jhs. die Kur 21 Tage42). In Churrätien ist aber 1862 von einer ganzen Kur von 3-4 Wochen die Rede43).

Im Mitterbad im Ultental (dessen Arseneisenquelle seit ungefähr einem Jahrhundert namentlich bei Rheumatismus, Rückenmarksleiden, Bleichsucht und Frauenkrankheiten von Leuten aus der Meraner Gegend, dem oberen Etschtal und seinen Seitentälern besucht wird) baden zahlreiche Tiroler Bauern im Sommer ihre Blutreinigungskur. Meistens bleiben sie 14 Tage; immer wird eine ungerade Zahl von Bädern genommen, meist 9, 11, 13, mitunter auch bloß 3-7, in seltenen Fällen 17, 19, 21. Selten badet man unter 1, meist bis 2 Stunden44). Auch in Kärnten spielt im Bauernbad die ungerade Zahl eine Rolle. Im Karlbad am Fuße des Königstuhls kostet das Bad 9 Kreuzer, wenn man die glühend gemachten Steine vom Ofen in der hölzernen Mulde in den Badetrog zum Erhitzen des Wassers selbst trägt, 13, wenn man es den Wirt tun lässt. 7 Bäder muss der Kurgast wenigstens nehmen, wenn er eine Wirkung verspüren will, 15 stellen den Kranken vollständig her, 21 heilen alle Gichtleiden und 27 machen auch Krüppel so frisch, dass sie an Kirchtagen tanzen können45).

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Balneum Plummers (Plombières). Holzschnitt 1553.

Eine gesetzliche Festlegung der Badedauer gab es in Baden-Baden für Bettler um 1528, nämlich 3 Wochen46). Für die Städte Baden und Brugg im Aargau bestand um 1544 während der Badekur Befreiung von der Zwangsgewalt der ordentlichen Gerichte: »Welcher heimischer oder fremder zu Baden (in der Schweiz) ein badfart zu haben willens, der soll und mag ein badfart haben sechs wuchen und dri tag und soll von mengklichen in diser zit aller ansprach halber fri sin«47). Hans Stockar von Schaffhausen gebraucht 1528 in seiner Hausbadestube eine Kur: »Uff dye Zitt hein jch 33 Dag Wasser badett jn mim Hus, und schlug heffdyg us« (bekam einen starken Badeausschlag)48). Der Augsburger Großkaufmann Lukas Rem hat über seine Badekuren, die er wegen eines immer wiederkehrenden, akuten Gelenkrheumatismus gebrauchte, genau Tagebuch geführt. Er badete 1511 in Pfäfers vom 20. Mai an 19 Tage täglich 1-11 Stunden (auf- und absteigend), im ganzen 127 Stunden, im württembergischen Wildbad 1521 vom 23. September an 28 Tage (162 Stunden), 1525 vom 13. August an 28 Tage (177 Stunden), 1530 vom 7. März an, bei einem Aufenthalt von 28 Tagen, 27 Tage (177 Stunden), 1533 vom 1. September an während 41 Tagen Aufenthalt an 40 Tagen (188 Stunden), 1538 vom 26. August an 28 Tage (161 Stunden) und 1540 vom 3. August an 29 Tage (160 Stunden)49). Die Durchschnittsdauer war also 4 Wochen. Die Abweichungen sind durch das Auftreten des Badeausschlags und dessen Abheilen bedingt. Nach damaliger humeralpathologischer Auffassung, bei der ich nicht entscheiden möchte, ob sie ursprünglich der Schulmedizin oder dem Volksglauben angehört, trat die Krankheit mit dem Auftreten des Badeausschlags aus dem Innern des Körpers auf die Haut und war mit dem Abheilen desselben aus dem Körper entfernt. (Kam übrigens [1642] die Heilung ohne Badeausschlag zustande, dann hatte das Wasser [von Pfäffers] durch seine Kraft und Wärme die bösen Flüsse und Feuchtigkeiten ohne alle Schmerzen und Verletzung der Haut trotzdem ausgezogen50). So kam es, dass die bei einer Kur gebrauchte Badezeit und Bäderzahl dem Zahlenaberglauben nicht unterstand.

In früherer Zeit scheint die Zahl 9 eine Rolle gespielt zu haben. Nach dem Göttinger Bellifortis (des Konrad Kieser von 1405)51) sollten Kräuterbäder in jedem Monat mit Ausnahme des Hundsmonats 9 Tage hintereinander erlaubt sein52), und in Schwaben heißt es, dass ein einziges Bad in der Johannisnacht soviel wirkt wie 9 Bäder zu anderer Zeit53).

Anders verhielt es sich mit den verkürzten Badekuren. An 3 Donnerstagen, auch an 3 Freitagen werden Bäder im März (s. 6c), an 3 Mittwochen und an 3 Sonntagen im Mai (s. 6e) und an 3 Sonntagen im August (s. 6g) gehalten. Beim Kinderbad spielt die Zahl 3, gelegentlich auch die 9, eine Rolle, wie auch beim Gebrauch der kalten Bäder durch Erwachsene und einigen anderen (s. 6e, 6f, 6h, 9, 10a, 10b, 10e.).

Der Nordindier, der gegen die Angriffe des Tigers gefeit sein und selbst dessen Höhle ohne Gefahr betreten will, badet sich 7 mal an 7 Dienstagen54). Auch in Nordafrika kommt die 7 vor.

42) Martin 255
43) Vonbun Beiträge 133
44) Hovorka u. Kronfeld 2, 257
45) ZAlpV. 20 (1889), 210 f
46) Carl Koehne Kurortwesen und Kurtaxe in geschichtlicher Entwicklung (Berlin 1912) 18
47) Ebd. 17 u. 33
48) Martin 127
49) Medizinische Klinik 1917, 748 ff
50) Martin 252 ff
51) Ebd. 161
52) Oskar Rößler, Wann und wie einst in Baden- Baden die Badekur gebraucht wurde 5. S.A. Ärztl. Mitteilungen aus u. für Baden 1909 Nr. 2 u. 3
53) Meier Schwaben 2, 427 Nr. 116
54) ARw. 17 (1914), 407

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6. Jahreszeiten
(das Bad unter freiem Himmel zum Erfrischen und Vergnügen [s. 7] ist hier nicht aufgeführt).

Als Zeiten feierlicher Brunnenreinigung finde ich genannt den Sonntag Lätare im März, Pfingsten und den Johannistag55), oder Ostern, Pfingsten und Johannistag56). Das sind Hauptzeiten des alten Brunnenkultus und damit auch der aus alter Kultzeit stammenden Bäder, die, nur ein oder einige Male gebraucht, die Gesundheit das ganze Jahr erhalten oder gleich einer ganzen Badekur Krankheiten heilen.

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"Der zu Bilfeld Anno 1666 nach der H. Drey Einigkeit entsprungene Heylbrunnen." Kupferstich 1668.

Wir finden die 3 Zeiten in einem Brauch der Hildesheimer Schneidergilde. Deren Mitglieder waren verpflichtet, an den sog. 'freien Montagen', d.h. am Montag nach Ostern, St. Johannis und in der Maiwoche, unmittelbar nach Beendigung der Messe das Bad (in der Badestube) aufzusuchen. »Wem nicht gelüstet zu bad, der soll dem Schaffer einen Pfennig zahlen«57).

Im Aberglauben begegnet uns noch eine 4. Jahreszeit, der Winter, mit 2 besonderen Tagen, den Vorabenden von Weihnachten und der Fastenzeit. Für letztere ist, wie aus dem Nachfolgenden hervorgeht, die Überlieferung verworren; ich halte den Aberglauben des Fastendienstags für fremdes, durch die Beichtspiegel in unser Volk hineingetragenes Gut, das vielleicht gar nicht angewandt wurde und lediglich in Beichtfragen und Verboten vorhanden war. Da der Aberglaube vom Fastendienstag und Weihnachtsabend in den Quellen miteinander verbunden vorkommt, gilt dies auch für den am Weihnachtsabend.

a) Winter
Ein 'Merkzettel für die Beichte' einer Münchener Handschrift (Clm. 17523 f. 132r-132v, geschrieben 1468)58) erklärt für Aberglauben, wenn jemand am Fastendienstag (feria tertia carnis breuii) nicht ins Bad geht59); Johannes Herolt (1. Hälfte 15. Jh.)60) ergänzt, weil das wirksam gegen Fieber ist61). Im Gegensatz dazu bezeichnet Nikolaus de Jawer in seiner Schrift de superstitionibus 1405 das Bad am Vorabend der Weihnacht und der Fastenzeit gegen Fieber und Zahnschmerzen als Aberglauben62), ebenso Delrio (disquisitiones magicae)63).

Das Landgebot Herzog Maximilians in Bayern wider Aberglauben usw. von 1611 spricht von »denjenigen, welche am weynachtabent oder Faßnachttag wider das fieber und zahnweh bad, so nit weniger abzustraffen«64). Hier ist aus dem Fastendienstag der Aschermittwoch geworden. Nach Johannes Wuschilburgk (Cod. 113 der Bibl. des Domgymnasiums in Magdeburg, im 15. Jh. wahrscheinlich in Erfurt entstanden) schützt das Bad am Aschermittwoch und an Weihnachten gegen Fieber und Zahnweh65), wobei dem Übersetzer wohl ein auf beide Tage gehendes in vigiliis in der schwer leserlichen Handschrift entgangen ist (eine diesbezügliche Anfrage bei der Bibliothek blieb unbeantwortet).

Für mehrere Teile Frankreichs, besonders Eure et Loire, hat man den Brauch festgestellt, Kinder, bei denen man nicht mehr weiß, welche Behandlung man ihnen angedeihen lassen soll, in Quellen einzutauchen. So badete man ehemals die mit Fieber behafteten gegen die Weihnachtszeit in einer sehr kühlen Quelle zu Lury. Die Hälfte erlag der Behandlung66).

Vom Aschermittwoch führt Wuschilburgk als Aberglauben an: wer dann badet oder den Kopf wäscht, hat in demselben Jahre keine Rückenschmerzen, »und in demselben Jahre soll man nicht am Dienstag bad«67). Philander von Sittewald gibt aber 1650 das Fernbleiben von Rückenweh im ganzen Jahr für das Bad morgens nüchtern am Fastendienstag an68), die Rockenphilosophie jedoch für das Bad am Fastnachtstage früh. Von der Christnacht sagt sie, wer dann ins kalte Wasser geht, der bekommt selbiges Jahr die Krätze nicht, und wenn er sie hat, vergeht sie69). Nach südslawischem Aberglauben darf man am Aschermittwoch ein Kind nicht baden, sonst wird es krätzig70). Fromme Menschen badeten nicht in der Fastenzeit (s. 3b), auch kommt das Verbot des Badheizens vor (s. 3a).

Nicht zum Aberglauben gehört, wenn 1521 zu Weißenhorn in Schwaben am hl. Tag zu Weihnachten etliche 'von wunders wegen' badeten71) (wegen des milden Wetters).

b) In Böhmen
erhält man die Gesundheit, wenn man am hl. Dreikönigstage (6. Januar, dem Tauftag Christi, der großen Wasserweihe der griechischen Kirche) vor Sonnenaufgang badet72), nach anderem Bericht bleibt man dann dort das ganze Jahr gesund73).

In Schlesien badet oder wäscht man sich an diesem Tage im fließenden Wasser eines Flusses oder einer Quelle, das ist heilkräftig und läuternd74).

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Einsegnen des Wassers in einem russischen Dorf. Holzstich um 1880.

Bei den Bojken (Ruthenen) wird am Vorabende der hl. Dreikönige bei der Vesper Wasser geweiht. In manchen Gegenden pflegen Männer und Frauen mit ihren Kleidern in solches geweihte Wasser zu springen, um hierdurch gegen das Böse gefeit zu sein75).

Wenn auch kein Tag angegeben ist, gehört hierher wohl die Tatsache, dass der hl. Wilfried Bäder in Weihwasser zu nehmen pflegte, was viel Nachahmer gefunden haben muss, denn Bischof Atto von Vercelli (um 961) verbot dies Bad als dem Zwecke des Weihwassers und der kirchlichen Tradition widersprechend76).

55) BlHessVk. 3 (1901), 2
56) Weinhold Verehrung d. Quellen 34
57) Martin 19
58) Mitteilung der Handschriftenabteilung der bayerischen Staatsbibliothek in München
59) ZfVk. 22 (1912), 242
60) R. Cruel Geschichte d. dt. Predigt i. MA. (Detmold 1879), 480
61) ZfVk. 22 (1912), 242
62) Franz Nik. de Jawer 182
63) Wolf Beiträge 1, 219 Nr. 260
64) Panzer Beitrag 2, 283
65) ZfVk. 11 (1901), 273
66) Sébillot Folk-Lore 2, 278
67) ZfVk. 11 (1901), 273
68) Martin 24
69) Seyfarth Sachsen 256
70) Krauß Sitte und Brauch 548
71) Martin 72
72) Wuttke 308 § 453
73) Ebd. 69 § 79
74) Drechsler 2, 147
75) ARw. 17 (1914), 407 f
76) Franz Benediktionen 1, 109.

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c) Im März und zur Osterzeit haben wir die Bäder des Vorfrühlings. Märzenbäder (aber keine Maibäder) an den 3 Donnerstagen im März kommen, wie schon angeführt, in Sonthofen (1544) und Rohrbach (Bayern) vor, und Hadrian ward Donnerstags im Märzbad gesund (15. Jh.) (s. 3d). In Schwaben hatte laut Rechnungen von 1558 der Sigertshofer Bader »ein guots wolgehaizts Bad, darzu zwei Maien- und zwei Merzenbad zu geben«. Auch in Augsburg wird ein Merzen- und ein Maienbad genannt77). Die genannten Bäder wurden in der Badestube genommen. Ein Heilbad betrifft der Aberglaube, von dem der im württembergischen Wildbad tätige Geistliche Keller 1786 berichtet, wer im Märzen 3 Freitage nacheinander, besonders am Karfreitage badet, habe nicht nötig, eine ganze Badekur von 24 Bädern zu tun78).

d) Ein Bad in fließendem Wasser in der Karfreitagsnacht soll das Reißen vertreiben (Sayda in Sachsen), noch vor wenigen Jahren sollen deswegen im Erzgebirge Männer in besagter Nacht in einem kleinen, über Felsen rauschenden Bach gebadet haben, obgleich rund herum alles mit Schnee und Eis bedeckt war. In Rochlitz in Sachsen ging 1905 in der Karfreitagsnacht eine kranke Frau nackt, wie es der Aberglaube vorschreibt, in die Mulde, um sich gegen ein langwieriges Halsleiden mit Osterwasser zu waschen, rutschte aus und ertrank79). Wenn man in der Nacht vom grünen Donnerstag auf den Karfreitag 'unbraffelt' seine Füße in dem Bach badet, der durch Mulfingen (Schwaben) fließt, so glauben die Mulfinger, es könne das ganze Jahr kein Rotlauf an die Füße kommen. Man sieht daher in dieser Nacht oft den ganzen Bach voll Leute stehen, ganz still, und die Füße bad80). In Brötzingen (Pforzheim) gehen manche am Karfreitagmorgen an den Bach, waschen, selbst baden sich unbeschrien als Mittel gegen alle Krankheiten81). Bad vor Sonnenaufgang erhält die Gesundheit (Schlesien82)); Bayern, Erzgebirge, Böhmen unter Betonung, dass es im Fluss geschieht)83), heilt Krätze und Ausschlag (Militsch-Trachenberger Gegend, Schlesien)84). Ein Bad aus dem um Mitternacht des Karfreitags geschöpften Wasser läßt schwächliche Kinder gedeihen (Schlesien)85). Ohne Angabe der Tageszeit liegen folgende Angaben vor: Wer sich im Wunderwasser des Karfreitags badet, bleibt im folgenden Jahr von Krätze verschont und ist auch sonst an Leib und Seele fröhlich (Bunzlau 1791)86). Das Bad in fließendem Wasser vertreibt Krätze (fränkisch- schwäbisches Grenzgebiet 182587), Oldenburg)88), befreit vom Wichtel (Österr.-Schlesien)89), ist heilkräftig und läuternd (Schlesien)90). Vor dem kalten Fieber (Malaria) schützt man sich, wenn man am Karfreitag badet91). Nach Lammert badete man einst gegen Malaria am Karfreitage oder Ostertage morgens nackt in den Flüssen. (Er nennt dies eine römische Sitte mit Bezug auf Horat. Satir. II. 3. 288 ff.)92).

Im Kalotaszeger und Aranyosszéker Bezirk (Ungarn) baden am Karfreitag die Hirten das Vieh, damit es gesund bleibe93).

Am Ostermorgen vor Sonnenaufgang gebadet, hilft gegen Grind oder sonst dergleichen (Osterode am Harz 1788)94), alle Art Ausschläge usw. (Prov. Preußen)95). Ein Bauernknecht, der gehört hatte, dass das Osterbad vor Sonnenaufgang die Krätze vertreibe, badete so und ertrank dabei (Chemnitzer Rockenphilosophie 1722)96). Wer sich am 1. Ostertag in kaltem Wasser badet, bleibt das ganze Jahr gesund (Bunzlau 179197)), Gegend der Mittelelbe und Mitteldeutschland)98). Ein Bad oder eine Waschung mit Osterwasser bringt Schönheit und Gesundheit und befreit von Sommersprossen, Geschwüren, Flechten und Hautausschlägen (Sayda in Sachsen). Kranke Kinder, vor allem mit dem 'Ansprung', einer Art Ausschlag, werden in Osterwasser gebadet (Reichenbach)99).

In der Oberlausitz badeten die Bewohner von Rauschwitz und Kindisch am Ostermorgen sich und ihr Vieh in der aufgestauten Quelle am Hochstein, weil das fruchtbar mache100). Im Odenwald trieb um 1875 ein Fuhrmann in der Osternacht zwischen 11 und 12 Uhr seinen schlecht genährten Gaul in die Modau, damit er gesund werde und sich besser füttere101), und in Ostpreußen schwemmt man die Pferde in der Osternacht zum Fernhalten von Krankheit fürs ganze Jahr102). In einigen Gegenden Thüringens am Harz treibt man am Ostermorgen das Vieh ins Wasser, um es das Jahr über vor Krankheit zu bewahren103), in Sachsenburg a. d. Unstrut wird dabei vor »Sonnenaufgang« betont104).

77) Birlinger Aus Schwaben 396 f
78) (Keller) Grab d. Abergl. 5, 42
79) Seyfarth Sachsen 254 f
80) Birlinger Volksth. 1, 140
81) Meyer Baden 502
82) Wuttke 308 § 453
83) ARw. 17 (1914), 408
84) Drechsler 1, 83
85) John Erzgebirge 193
86) Drechsler 1, 83
87) Panzer Beitrag 1, 258
88) Strackerjan 1, 70. 89) Drechsler 1, 83
90) Drechsler 2, 147
91) Wuttke 353 § 528
92) Lammert 260
93) ZfVk. 4 (1894), 395
94) Journ. von u. für Deutschland 1788, 2. Hälfte, 425
95) Frischbier Hexenspr. 66
96) Martin 19
97) Drechsler 2, 264
98) Martin 23
99) Martin 19
100) Weinhold Verehrung d. Quellen 26 = Haupt Lausitz 1, 16
101) BlHessVk. 3 (1901), 1
102) Franz Nik. de Jawer 182
103) Albers Das Jahr 185
104) Kuhn u. Schwartz 374 Nr. 20.

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Titelholzschnitt zu Laurentius Phries Traktat der Wildbäder, Straßburg 1519.

e) Die Frühlingsbäder fanden im Mai, zu Himmelfahrt und Pfingsten statt. Die Quelle von Pfäfers verjüngt sich mit dem Frühling (Paracelsus), das Wasser vom Leuker Bad im Wallis ist im 18. Jh. dem Volksglauben nach im Mai am kräftigsten, ebenso das von Pyrmont 1597. »Man sagt wol: in dem meien da sind die brünlein gsund« (Volkslied). Darum erklärt die Mainauer Naturlehre (13. Jh.) vom Lenz: »So ist och dechaine zit besser ... zu badenne.« Die Volkskalender und Anweisungen zur Gesundheit äußern sich ebenso.

Das Maibad ist immer ein Wasserbad, sei es in der Badestube oder im Kurort. Ja, wir finden den Namen Maibad schlechthin für das Warmwasserbad (im Gegensatz zum Dampfbad), allerdings »fürnemlichen im früling«, wie der Straßburger Chirurg Ryff 1549 sagt. Er spricht vom Warmwasserbad in der Badewanne: »Zum wasser Badt oder gemeinen Mayen Badt, ist auch das Regenwasser, wo man es haben mag, am aller bequemsten« und besser als Brunnen- und fließendes Wasser, weil es reiner, subtiler ist, die Wärme des Sonnenscheins und kräftige Influenz des Gestirns und dadurch seine schädliche Kraft zum Teil verändert und gemildert hat. (Die Stelle mag zugleich als Beispiel des Gelehrten-Badeaberglaubens dienen.)

Besonders gebrauchte man die Bezeichnung Maibad für das gewöhnliche Wasserbad, wenn es ein lustiges Bad, mit Schmausen, Zechen und zuweilen auch Liebeleien verbunden war105). Nach der Zimmerschen Chronik ertrank Graf Jörg von Werdenberg 1415 bei einem Liebesabenteuer im Rhein. Am hl. Abend fanden Fischer die Leiche, »die haben in ußer dem maienbad widerumb zu landt gebracht«106). Die Maibilder der Volkskalender des 15. und 16. Jhs. zeigen Mann und Frau in der Wanne mit Essen und Trinken107). Der lutherische Sittenprediger Martinus Bohemus donnert 1608 gegen dieses Wohlleben der Weltkinder im Mai (wenn er auch das Bad dabei nicht nennt), erklärt dagegen die Maibäder für recht: »das man seiner Gesundheit pflege, das man warm bade, auch kreuterbade gebrauche«108). »Alle bad seind gutt, besonder kreuter bad«, sagt eine astrologische Gesundheitsanweisung von 1556 beim Mai. »Bad ist gut vnd besunder wurtz beder« (Msc. E. 102 vom Jahr 1467 der Züricher Zentralbibliothek). Auch Kräuter und Wurzeln haben im Frühling besondere Kraft.

In den Kurorten galt die Maibadekur für die beste. »Im Meyen ist die beste Zeit, ein Badenfahrt anstellen« (Johann Jakob Müller in Luzern, 16. Jh.). »Im meyen farend wir gen baden« (in der Schweiz; Thomas Murner in der Geuchmatt 1519)109). Die ursprüngliche Auffassung des Maibades als Gesundheit erhaltendes und bringendes Bad hat auch zu einer anderen Verallgemeinerung des Begriffs geführt, es wurde gleichbedeutend mit Heilbad: »Wie ain maien bad auffkam für die lemi und schäden von der Frantzosen plattern (Syphilis) Anno dni 1513 da stund ain maien bad auff, ligt im Pairland 1/2 meil von Starenberg, haist im Zeidelbach oder sant Petters brunnen.« Gebadet wurde dort nicht nur im Mai, sondern von Sonntag Exaudi (zwischen 3. Mai und 6. Juni fallend) bis Matthäus (21. Sept.)110).

Aus dem Angeführten geht hervor, dass man die Maibadekur nicht nur im Heilbad, sondern überall, also auch im eigenen Hause, gebrauchen konnte. Kaspar Scheid sagt im Meyenlob (abgedr. in Hubs Volksbl. d. XVI. Jhs. S. 316), die Bresthaften, die ihre Häuser nicht verlassen können, lassen sich im Mai daheim warme Bäder zurichten111). Häufig wird es in der öffentlichen Badestube genommen, wobei zu beachten ist, dass einzelnen Badestuben in Süddeutschland, mehr noch in der Schweiz, heilkräftige oder als solche geltende Quellen zur Verfügung standen. 1429 fing »Caspar Sommer in Augsburg ein Maienbad an, dass man badete für dem Wertachbruggerthor«. In einer Biberacher Chronik des 17. Jhs. wird Maienbad und Maienmilch den Kranken im Spital verordnet112). Es handelt sich hier um eine ältere Stiftung, denn Heinrich von Pflummern berichtet vor der Reformation: »Man hat auch im Mayen allweg die armen Leuth auch in Züber badet im spittal vor der Badtstuben. Da hat man dann Ihnen aber die handt boten mit Zuobussen: mit essen vnd Trinckhen.« »Man hat auch den frembden vnd Haimbischen ain Badstuben da gehabt vnd sie badet: hat sie auch im Mayen Wasser badet«113). Die »Kinder im Feld« (Aussätzigen) zu St. Georg bei Winterthur in der Schweiz hielten in der Mitte des 16. Jhs. eine jährliche Badekur in der Badestube des Sondersiechenhauses (Leproserie) abad »Wenn sie im Mai baden, gibt man einem jeden, soviel im Hause sind, alle Fleischtage sein Pfund Fleisch und eine halbe Maß Wein und in der Badenfahrt 7 oder 8 Pfund süße Butter, auch einen Teller mit Eiern und Zieger (Kräuterkäse) und nach der Badenfahrt 2 Pfund Badgeld und in der Badenfahrt 1 Viertel Mehl für Küchly«. Neben dem Maibad im Hause gab es also noch eine Badfahrt in einen Kurort (1813 im Juli)114).

Lorichius (Heidelberg, 16. Jh.) erklärt es für Sünde, am 1. Mai als heiligen Tag (der hl. Walpurga) »anfahen baden«, d.h. eine Badekur zu beginnen, »eh sie in der Kirch gewesen oder auch der Meinung (sind), das es besser sey, dann an folgenden Tagen«115).

Ich komme zu den konzentrierten Bädern dieser Zeit. Vom Dorf Leimen im elsässischen Sundgau eine halbe Stunde entfernt, fließt im Orte Helgenbronn neben der dortigen Walpurgiskapelle eine kräftige Wasserquelle, Helgenbronn und Kinderbrunnen genannt. Am 1. Mai kommen die Mütter mit ihren siechen Kindern hierher, um sie zu bad (Häufiger noch geschieht es auch an Johannis, dass man hier die durch Sommersprossen verunstaltete Haut wäscht)116).

Berühmt ist die Pfingstmontagswallfahrt zur Kapelle St. Pirmin im luxemburgischen Kanton Wilz mit dem etwas davon liegenden Pirminiusbrunnen, wobei skrophulöse Kinder 3mal eingetaucht werden117).

In einzelnen Gebieten von Cornwalls werden die Kinder, die an Rachitis und Gekrösekrankheiten leiden, die ersten 3 Mittwoche im Mai 3mal, gegen die Sonne gewandt, in eine Quelle getaucht, dann 3mal in der Richtung auf die Sonne zu über den Rasen bei der Quelle gezogen118). Im Westen von Cornwallis geschah es vor 50 Jahren an den ersten 3 Sonntagen im Mai vor Sonnenaufgang, um Gürtelrose (zona), Flechten und andere Krankheiten zu heilen und gegen den bösen Blick zu schützen. Die Eltern tauchten die Kinder, das Gesicht gegen die Sonne, ganz nackt 3mal ein. Dann gingen sie 9mal von Westen nach Osten um die Quelle, und während die Kinder nachher angekleidet schliefen, achtete man darauf, ob sie gut ruhten und das Wasser viel Blasen aufwarf. Das galt als gute Vorbedeutung. Alles musste stillschweigend geschehen. Ein aus der Kleidung des Kindes gerissener (nicht geschnittener) Lappen wurde bei der am meisten gebrauchten Quelle nahe der Kapelle von St. Madron an einem in der Kapellenwand befestigten Dorn aufgehängt oder zwischen die Randsteine des Bächleins gesteckt. Die Frau, die dort Anweisung gab, durfte nicht in Geld, sondern nur in Naturalien bezahlt werden, oder man legte die Geschenke für sie neben der Quellfassung nieder119). In Ost-Cornwallis ist es üblich, an den 3 ersten Sonntagmorgen im Mai in der See zu baden120).

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Bei der Fontaine Blanche nahe der Kapelle Notre Dame de la Fontaine Blanche in Plougastel handelt es sich um eine der zahlreichen bretonischen Quellen, die mit Kinderkrankheiten in Verbindung stehen. Hier wurde eine Art 'Negativauslese' zelebriert. Mit den Worten "Auf Leben oder Tod", wurden hier fieberkranke und rachitische Kinder in das eiskalte Brunnenwasser getaucht. Zuvor sollten die Kinder bei einem Rundgang in der Kirche ihre ersten Schritte tun. Die Namensbezeichnung 'Weißer Brunnen' lässt auf eine alte Feenquelle schließen, deren Verehrung weit in vorchristliche Zeiten zurückreicht. Dies bestätigen auch die Funde einer galloromanischen Fruchtbarkeitsgöttin und einer Marienstatue, die nahe der Quelle entdeckt wurden.

Westendorf berichtet, dass in einigen Gegenden Hollands am Maimorgen in lebendem, strömendem Wasser gebadet wird, um von allen Hautkrankheiten zu genesen oder dagegen gesichert zu sein121).

An der süditalischen und sizilianischen Küste nehmen viele in der Nacht vor Himmelfahrt ein Meerbad, das als heilkräftig gilt122); auch in Armenien badet man in der Himmelfahrtsnacht wegen der kräftigen Heilwirkung123).

Lorichius sagt: »In der ersten Maynacht, weyl die Klock zwölfe schlecht, in eyl Wasser schöpfen, im selben den ganzen Tag für rauth vnd andere leybsgebresten bad, ist ein spöttlicher ärgerlicher Aberglaub, dardurch der Dienst Gottes denselbigen Tag verhindert wird«124). Vielleicht gehört das Druselwasser hierher, von dem Jul. Schmidt Reichenfels in Kassel hörte. In ihm zu bad wurde als heilsam gerühmt, es müsse aber mit dem Lauf, nicht gegen den Lauf geschöpft werden. (Wahrscheinlich ist die rechte Zeit dazu Walpurgis oder Johannis)125).

Weit bequemer war das Walpurgisnachtbad in den Kurorten, besonders in den natürlich warmen Bädern. Ich kenne es nur im deutschen Sprachgebiet. Dies Dauerbad findet vereinzelt auch an Himmelfahrt statt. Es ist gegenüber dem weit verbreiteten Bad in der Johannisnacht verhältnismäßig selten. Um nicht zu wiederholen füge ich das Johannisbad, wenn es am gleichen Ort auch vorkommt, hier ein.

1631 heißt es von der Therme Pfäfers in der Schweiz: »Vnder andern, so pflegt auff den ersten Tag Maij, alten Calenders, ein vnzehlbare menge Volcks, zu Vesper vnd Abendts zeit, auß allen benachbarten Dörffern, Thälern vnd Gebirgen, mit einem Wort alles gemein, vnnd lauffige Gesinde, theyls Gesund(heits), theyls Lust vnd Fürwitz halber, herbey zukommen, in die Badschwämme, einzusitzen, vnnd die gantze Nacht, darinn wachtsamb zuzubringen, auch dise Nachtfrist, einer gantzen Bad Chur, jhres Sinns abzuschätzen; alsdann, folgenden Morgen, wann sie abreisen wöllen, jhre Hembder, zuvor in das Badwasser (das keine mineralischen Bestandteile hat) wol einzutrucken, vnd also anzuziehen, mit mainung, einer mit sich hinweg tragenden großen gefunden Krafft« (Kolweck). Im Basler Gebiet bei dem damals schwer zugänglichen (nicht natürlich warmen) Bad Ramsen (Ramsach) »tryben sy uff den mey und Sant Johans oben (Abend) Superstitiones« 1572126). 1600 wird »im bad zu Ramseln uff St. Johannis abend und nacht neben großem muttwillen superstition und Aberglauben getriben, sonderlich von unsern Leuten (d.h. denen aus dem Basler Gebiet), welche diß tags halben dem Bad große Krafft zuschreiben«, und 1605 »wird geklaget von wegen der Bädern Ramsen und anderswo, dz man deren kraft auf gewisse tage lege, sonderlich auf den tag S. Johannis Baptistae«127). 1606 wird das Bad »aus Aberglauben vom Landvolck auff den tag der Himmelfahrt, Meytag und S. Johanstag besucht.« Die (evangelische) Kirchenbehörde schlug zur Abstellung des Aberglaubens vor, den Bader anzuhalten, an diesen Tagen keine Gäste aufzunehmen und das Bad nicht zu heizen128).

Von Baden-Baden, das natürlich warmes Wasser hat, schreibt 1673 ein Franzose, der dort die Kur gebrauchte: »Am 1. Mai kommen Scharen schwäbischer Bauern«, erkenntlich an ihren althergebrachten Trachten, aus der weiteren Umgebung, um zusammen mit ihren Frauen ein 'Maibad' zu nehmen. Sie legen sich ins Bad hinein, trinken und essen - so will es die deutsche Sitte -, dann legen sie sich zum Schlafen hin. Haben sie auf diese Art gebadet, bilden sie sich ein, sie blieben das ganze Jahr von Krankheiten verschont. So hält es die katholische Bevölkerung.« Die Nichtkatholiken erscheinen 10 Tage später, am 1. Mai alten Kalenders129). 1632 kam Zeiller abends um 8 Uhr nach Baden-Baden und fand erst nach 1 halbstündigem Suchen Quartier, »weiln so viel Badleuthe, sonderlich Bauern, vorhanden waren, die wegen S. Johans Nacht jhnen einbildeten, wann sie selbigen Abent badeten, dass sie hierdurch das gantze Jahr für Kranckheiten solten befreyet sein«130).

105) Martin 10 ff.
106) Bibl. d. literar. Ver. in Stuttgart 93 (1869), 3.
107) Martin 10 ff. 108) Birlinger Aus Schwaben 2, 94.
109) Martin 10 ff. 110) Die Chroniken der dt. Städte 25, 7 f.
111) Rochholz Gaugöttinnen 61.
112) Birlinger Aus Schwaben 2, 92 f.
113) Alemannia 17 (1889), 99.
114) Martin 19 f.
115) Birlinger Aus Schwaben 2, 92 f.
116) Rochholz Gaugöttinnen 60 f.
117) Weinhold Quellen 43 = Gredt Luxemburg Nr. 30.
118) Sébillot Paganisme 67.
119) Ebd. 67 u. 80.
120) Sartori Sitte und Brauch 3, 180.
121) Mannhardt Germ. Mythen 31.
122) Sartori Sitte und Brauch 3, 188 = Trede D. Heidentum i. d. röm. Kirche 3, 224.
123) Ebd. = Abeghian Der armen. Volksglaube 61 ff.
124) Birlinger Aus Schwaben 2, 92 f.
125) Grimm Myth. 1, 487.
126) Martin 15 f. 127) Ebd. 21.
128) Martin 15 f.
129) Oskar Rößler Ein Bericht über die Bäder von Baden-Baden aus d. J. 1673. S.A. Ärztl. Mitteilungen aus u. für Baden 1915 Nr. 16.
130) Martin 22.

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f) Die Sommerkultbadezeit ist bei uns, aber auch anderswo, der Vorabend des Johannistages bis Sonnenaufgang, in Portugal auch noch der des Peters- und des Antoniustages.

Der hl. Augustin sah in Lybien - er nennt es einen heidnischen Brauch und eifert dagegen -, dass Christen am Johannistage zum Meer gingen, um sich zu baden; und an anderer Stelle schreibt er, dass sie sich in der Nacht oder in den Morgenstunden des Johannistages in Quellen, Sümpfen oder Flüssen zu waschen (bad) wagten131). Mit den gleichen Worten beschreibt Bischof Caesareus von Arles (gest. 1. Hälfte 6. Jhs.) den Brauch und beschwört seine Landsleute, davon zu lassen132). Nochmals finden sich die Worte in einem Freisinger Homiliar des 8. Jhs.133)

1330 sah Petrarca in Köln, wie er in einem Briefe an den Kardinal Colonna schreibt, am Vorabend des Johannistages einen alten Brauch. Bei Sonnenuntergang war das ganze Rheinufer mit Frauen bedeckt. Unglaublich war der Zulauf. Ein Teil der Frauen war mit wohlriechenden Kräuterranken bedeckt. Mit zurückgeschobenem Gewand fingen Frauen und Mädchen plötzlich an, ihre weißen Arme in den Fluss zu tauchen und abzuwaschen. Dabei wechselten sie in ihrer Sprache lächelnd einige Sprüche miteinander. Man erklärte ihm, dass dies ein uralter Brauch unter der weiblichen Bevölkerung Kölns sei, die meine, dass alles Elend des ganzen Jahres durch die bei ihnen an diesem Tag gewöhnliche Abwaschung im Flusse weggespült würde und gleich darauf alles nach Wunsch gelinge. Von einem ähnlichen Brauch in Neapel am Vorabend des Johannistages berichtet Benedikt de Falco 1580, wo Männer und Frauen zum Meer gingen und sich nackt wuschen134). Bei Nogent-le-Rotrou (Frankreich) gibt es eine Quelle, die wegen ihrer Heilkraft während der ganzen Johannisnacht berühmt ist. In ihr baden Männer und Frauen am Abend vor Johannis, und kein unzüchtiger Gedanke stört den Vorgang135). Bis in die jüngste Zeit badete man sich in Wallonien in den Flüssen oder trank auch das Wasser gerade um Mitternacht des Johannistages, um sich verschiedene Vorteile zu verschaffen, darunter das Recht, nicht zu ertrinken136).

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In alter Zeit zog viel Volk während der drei ersten Sonntage im August, die deshalb auch 'kalte Badsonntage' genannt wurden, ins Krauchtaler Bad auf den Wepchen im Schweizer Kanton Glarus, um dort kalte Bäder zu nehmen. Das Wasser, des von mehreren kalten Quellen gespeiste Beckens, sollte 'verfinsterte Augen wieder zu Leuchten bringen'. Andere sollten hier ihr Gehör wieder erhalten haben. Bei Einigen hatte das Bad auf dem Wepchen die Gebrechen jedoch verstärkt. Das Heilbad wurde bis in die vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts aufgesucht. Holzschnitt aus Stumpfs 'Schweizerchronik', Zürich 1548.

Von den Dauerbädern in Heilbädern während der Johannisnacht wurden die zu Ramsen und Baden- Baden bereits beschrieben (s. 6e). Bäder in der Johannisnacht, heißt es im Kanton Luzern, sind besonders heilsam137). Von 'altfränkischen' Leuten wurde 1862 noch im Bade Schönau zu Tschaggüns (Churrätien) in der Johannisnacht gebadet, weil ein Bad, in dieser Nacht genommen, eine ganze Kur von 3-4 Wochen ersetzt138).

In Schwaben heißt es, ein einziges Bad in der Johannisnacht wirkt soviel als 9 Bäder, die man zu anderer Zeit nimmt. Deshalb badeten die Leute früher immer während dieser Nacht in dem Mineralbade Laimnau (O.-A. Tettnang); jetzt (1852) hält man weniger mehr darauf139).

1591 hatten »an Joannis Baptistae uff die Achzehn doch mehrentheils weibspersonen das Badt in der Eßlinger Vorstadt allhie (Stuttgart) besucht, die ganze nacht und den Tag, und allßo zwanzig vier stundt gebadet, welches auch andere Jahr uff Joannis Baptistae abends beschehen«. Die Stuttgarter Synode bekämpfte dies als Aberglauben und drohte Bestrafung von Badern und Badleuten an. 1602 war das Konsistorium der gleichen Meinung, weswegen es »dem Sulzbäder zu Cannstat die St. Johanns Bäder zu halten abstricken ließ, doch zu der Oberkeit fernerem Erwägen«. Der zu diesem Gutachten eingeholte Bericht des Vogts von Kannstatt lautete dahin, dass diese Bäder ein Überrest des Papsttums seien und hauptsächlich nur noch von den benachbarten Katholiken zu Hofen und Öffingen gebraucht würden und deswegen um so mehr abgeschafft zu werden verdienten, als sie nur Veranlassung zu Unfug gäben140). 1639 und 1666 wurden die Johannisbäder in Württemberg nochmals verboten141). 1673 spricht Salomon Braun in der Beschreibung des nach der Zerstörung neu errichteten Biberacher (also auch eines Württemberger) Bades von Mißbräuchen beim Bad, »darunter auch noch einer, als nicht der geringste zu mercken, dass auch bey uns dieser übele Gebrauch bey vielen sich gefunden (also im alten Biberacher Bade), die da zu verkürtzung der Zeit und Bade Cur desto länger, und wol gar continuirlich 24 Stunden im Zuber sitzen blieben, darinnen geessen, getruncken, geschlaffen, und ja theils so eine sonderliche Zeit, nemblich S. Johannis Baptistae Nacht dazu erwehlet, und meynen solche Leuthe, wenn sie nur frisch wider heimgehen können, haben sie die Sache wol getroffen«142).

Vom Solbad Niederbronn im Wasgau (Unterelsaß) heißt es 1593, dass »sonderlich vmb Johannis Baptistae alle jar ein große menge vom Landvolck dahin kommen, so ein tag zwen da gebliben, tag vnd nacht im wasser gesessen, in den Burgers Heusern dasselbig wärmen lassen, vnd darein in Bütten gesessen, dass das gantz Dorff voll Badgest vnd erfüllet gewesen, vermeynend, sie seien das gantz Jar hernacher von kranckheiten verwaret vnd sicher«. Heliseus Rößlin, vom Sulzbad im Unterelsaß 1647: »Ich habe gesehen, zwar nicht in dem Sauerbrunnen, sondern in vnserm Sultzbad, das gemeine Leuthe an St. Johanns tag 24 stunden continue nach einander in dem bade gesessen, die baden Cur in solcher Zeit zu ende geführt, vnd in dem bade gessen, getruncken, geschlaffen, auch wol, wann sie in der grösten hitze gewesen vnd köpffe, so roth als die Zinßkappen gehabt, ein Glaß nach dem andern von dem gesaltzenen Wasser auß getruncken.« (Sebitz)143). 1854 suchte der Straßburger Kirchenkonvent gegen die Johannisbäder als einen abergläubischen Brauch einzuschreiten144).

Schwenckfeldt schreibt 1607 von Warmbrunn bei Hirschberg in Schlesien: »Denn an S. Johannis Abendt, vnd an Johannis Tage vberaus viel Volckes von nahen und fernen Orthen, dahin sich findet, Gesunde, gesunden Leib vbers Jahr zubehalten, Krancke, Lahme, Krätzige, Außsetzige, Gichtbrüchige, jre Kranckheit zuwenden. Fellet hauffenweise vbereinander in Brunnen wie die Gänse, gäntzlicher meinung, dass Warme Bad were diesen Tag viel kräfftiger, als andere Zeit deß Jahres, vnd gebe in einer halben Stunde dem Leibe mehr Krafft als sonsten Vier oder Fünff Wochen.« (Hier kam hinzu, dass dort St. Johannis zu Ehren eine Kapelle errichtet war, in der vor Zeiten am Tage des Heiligen den Badegästen eine Messe gelesen wurde, wozu große Wallfahrt war)145). Dasselbe gilt, sagt Drechsler, von dem Johannisbrunnen (Johannisbad [wohl das warme Bad in Böhmen]) und dem Johannisbach im Riesengebirge, wohin am Johannistage viele Leute wallfahrten und dort bad und trinken, in der Meinung, Gesundheit davon zu schöpfen146).

In Norwegen wurden die heiligen Quellen vorzüglich am Johannisabend besucht, weil sie dann am kräftigsten sind147).

Es wurde, wie aus dem obigen ersichtlich ist, nicht immer nur die Nacht, sondern auch noch den Tag hindurch, ja 2 Tage gebadet. Das ursprüngliche war das Nachtbad.

Um zu wissen, welche Quelle man zur Heilung am vorteilhaftesten gebraucht, wirft man in der französischen Provinz Limousin in ein mit Wasser gefülltes Gefäß Kohlen, aus Haselruten gebrannt, die am Vorabend des Johannistages geschnitten sind. Jede Kohle bezeichnet eine Quelle; die zuerst zu Boden fällt, zeigt die Quelle an, die man gebrauchen muss148).

Von den im Hause genommenen Johannisbädern kenne ich nur eins. Noch heutzutage rüstet man in Schlesien (z. Bad in der Sprottauer Gegend) ein Johannisbad, zu dem man Wasser nimmt, worin neunerlei Hölzer oder Kräuter gekocht sind149).

131) Grimm Myth. 1, 490.
132) Boese Superstit. Arelat 19.
133) Schmeller Bay.Wbad 2, 302.
134) Grimm Myth. 1, 489.
135) Ebd. 3, 487 Nr. 33.
136) Sébillot Paganisme 300.
137) Hoffmann- Krayer 163.
138) Vonbun Beiträge 133.
139) Meier Schwaben 2, 427 Nr. 116.
140) Martin 20. 141) Ebd. 399.
142) Ebd. 22 f. 143) Ebd. 21 f.
144) Weinhold Quellen 44.
145) Ebd. 22 f.
146) Drechsler 1, 143.
147) Weinhold Quellen 44.
148) Sébillot Paganisme 78 f.
149) Drechsler 1, 143.

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g) Für den Hochsommer und den Herbst (ungefähr die Zeit der Hundstage) ist mir nur ein Bad bekannt, das man als Kultbad auffassen kann. In früherer Zeit zog während der 3 ersten Sonntage im August, an den sog. 'kalten Badsonntagen' viel Volk ins Krauchtal im Glarnerland, um im Krauchtaler Bad, einem Wasserbecken von mehreren Minuten Umfang, in das sich kalte Quellen ergießen, zu baden. 1680 besuchten es die jungen Leute aus dem Glarner und Sarganser Land um den Anfang August, mehr um sich zu erfrischen als krankheitshalber. Um die Mitte des 19. Jhs. hörte die Benutzung auf150). Daß nur ein solches Bad für diese Zeit vorliegt, ist um so auffallender, weil die Volkskalender gerade das kalte Bad empfehlen, während sie vor dem warmen Bad warnen151). Dementsprechend wird im Göttinger Bellifortis (des Konrad Kieser, 1405)152) das Kräuterbad (9 Tage hintereinander), das für jeden Monat erlaubt ist, im Hundsmonat verboten. Auch vom Baden-Badener Bad sagt der dortige Arzt Matthäus 1609: »In den Hundstagen soll man aber nicht bad«153). Die Meinauer Naturlehre (13. Jh.) warnt im Herbst vor den Thermen154). Nach Emmentaler Glauben soll man während der Hundstage im August nicht baden, es wird sonst eine Krankheit im Gefolge haben, aber Mädchen baden dort gerne, während die Rosen blühen, das gibt eine schöne gesunde Haut155).

150) Martin 27.
151) Ebd. 173 f.
152) Ebd. 160 f.
153) Oskar Rößler Wann und wie einst in Baden- Baden die Badekur gebraucht wurde. S.A. Ärztl. Mitteilungen aus und für Baden. 1909 Nr. 2 u. 3, 5.
154) Ebd. 173 f.
155) SAVk. 24 (1922), 66.

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May Day in Schottland. Das Morgenbad im Tau der Bergwiesen. Colorierter Holzstich um 1890.

h) Das Bad im Tau, Flachs, Korn und Sand. Um nicht zu wiederholen, sei hier alles Hergehörige angeführt, auch wenn bestimmte Tage nicht genannt sind.

Als nach der Ermordung Kaiser Albrechts i. J. 1308 dessen Tochter Agnes die 63 Mann der Besatzung von Farwangen hatte hinrichten lassen, soll sie durch deren Blut mit den Worten geschritten sein: »Jetzt im Blute derer gehend, die meinen frommen Herrn ermordet haben, bade ich im Maientau«156). Nach Tschudis Schweizer Chronik spazierte sie in der Entleibten Blut und sagte, sie bade im Maientau157). So wird mancherorts unter Bad im Maitau ein Durchschreiten der taunassen Wiesen oder Felder zu verstehen sein. In Groningen, im zütphenschen Teil von Gelderland und in Südholland nennt man das daawtrappen (Tautreten) oder daawslaan (Tauschlagen), man versammelt sich dazu im Mai oder am Morgen des 1. Pfingsttages vor Sonnenaufgang (»vor dag en daauw«) im Feld und bekränzt sich mit Laub und Blumen158). Aber auch das Bad des ganzen und zwar nackten Körpers kommt vor.

Ohne Angabe einer Zeit heißt es in der Oberpfalz, dass Bad im Tau den Mädchen die verlorene Jungfrauschaft wieder gibt159). Es wird erzählt, dass sich Hexen nackend im Sande oder im Korn bad160). In Böhmen wälzen sich manche am Ostersonntag vor Sonnenaufgang nackt im Tau der Wiesen (Maschakotten)161). In Mersburg hörte Weinhold, dass die jungen Uhldingerinnen noch in der 1. Mainacht im taunassen Klee badeten162). Noch heute ist es in Sachsen Brauch, sich am Johannistage früh vollständig nackt im taufrischen Gras zu wälzen, um Krätze, Ausschläge und sonstige Unreinlichkeit aus der Haut zu beseitigen163). Im Saalfeldischen tanzen (1790) die Mädchen in der Johannisnacht um den Flachs, ziehen sich nackt aus und wälzen sich darin164).

In Schweden und Island badete man sich in der Johannisnacht im Tau, damit die Krankheiten des Körpers durch Wunder (miraculose) geheilt würden165).

Nach der Morningpost vom 2. Mai 1791 gingen in England am 1. Mai Scharen auf die Felder und badeten ihr Gesicht im betauten Grase, um dadurch Schönheit zu erlangen166). Zu Gervasius' von Tilbury Zeiten (1211) war das Pfingstbad selbst noch bei Vornehmen in Brauch167). In Launcaston hält man dafür, dass Kinder, die ein schwaches Kreuz haben, dadurch geheilt werden können, dass man sie am Morgen des 1., 2. oder 3. Mais durch das taubenetzte Gras zieht168). Um 1850 badete man in Cornwallis das kranke Kind am 1. Mai auf dem taubedeckten Rasen, was, um wirksam zu sein, an den 2 folgenden Morgen wiederholt werden musste169).

Das Bad am Johannistage im Tau ist in der Normandie üblich, um gegen Krätze und andere Hautkrankheiten geschützt zu sein, in den Pyrenäen zur Genesung von Hautkrankheiten, in der Bretagne gegen Fieber in einem betauten Haferfeld170). Sébillot sagt, dass in mehreren Gegenden Frankreichs das Taubad am Morgen des Johannistages von Krätze befreit. In Béarn (Nieder-Pyrenäen) spaziert der Kranke vollständig entkleidet in verschiedenen Richtungen durch ein Haferfeld und spricht wiederholt ein Gebet im Dialekt: »Reinige mich gut, frischer Tau« usw. Auch in Asturien (Spanien) wird man von Krätze frei, wenn man sich um Mitternacht des Johannistages ganz nackt im Tau wälzt, unter denselben Bedingungen in den Abruzzen (Italien), hier auch zu Himmelfahrt171).

156) Rochholz Gaugöttinnen 61.
157) Birlinger Aus Schwaben 2, 93.
158) Mannhardt Germ. Mythen 29.
159) Schönwerth Oberpfalz 2, 33.
160) Grimm Myth. 2, 911.
161) John Westböhmen 65.
162) Meyer Baden 220 = Weinhold Ritus 41.
163) Seyfarth Sachsen 252.
164) Grimm Myth. 3, 452 Nr. 519.
165) Mannhardt Germ. Myth. 30 f.
166) Ebd. 28.
167) Liebrecht Gervasius 57.
168) Mannhardt Germ. Myth. 30 f.
169) Sébillot Paganisme 68.
170) Ebd. 28.
171) Ebd. 125.

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7. Das Bad unter freiem Himmel im Fluss, See, Teich und im Meer zur Erfrischung und zum Vergnügen hat seinen besonderen Aberglauben. Er bezweckt, die Gefahren dieses Bads zu beseitigen und gibt Schutz vor Ertrinken (s. Ertrinken und Wasseropfer). Ich muss aber doch darauf aufmerksam machen, dass gewisse Tage, an deren Vorabend die Nacht hindurch bis zum Sonnenaufgang das Bad für besonders heilkräftig gilt im Freibad zur Erfrischung und zum Vergnügen verrufen sind, weil sie ein oder mehrere Opfer fordern, so der 1. Mai, der Himmelfahrtstag, besonders der Johannistag und auch der Peter- (und Pauls-) Tag. Es kommen auch noch einige andere Tage vor, bei denen das Bad in der vorhergehenden Nacht nicht üblich ist. Für unser Klima bedeutet der Johannistag den Beginn des Freibads, wenn auch an ihm selbst nicht gebadet werden soll. Eine besondere Stellung haben die Hundstage. Wie schon gesagt (s. 6g) rieten die Volkskalender vom warmen Bad im Hause und in der Badestube, wie in den Thermen, für diese Zeit ab, empfahlen aber das kalte Bad Vielleicht geht ein Teil der nachfolgenden Badeverbote auch nicht auf das kalte, sondern auf das warme Bad, wo nicht ausdrücklich vom Schwimmen die Rede ist.

In den Hundstagen darf man nicht baden, denn dann ist das Wasser giftig (Norwegen)172), es ist gefährlicher als an anderen Tagen (Pennsylvaniendeutsche)173), es wird sonst eine Krankheit im Gefolge haben (Emmental)174), man soll nicht schwimmen gehen, sonst bekommt man »Geschwüre« (Heidelberg und Pennsylvaniendeutsche)175). Somit könnten bei uns für frühere Zeiten die Hundstage den Schluss des Freibads bedeutet haben.

Am Laurentiustag (10. August) pisst in Ungarn der Hirsch ins Wasser, dann wird die Witterung kühl, und man darf nicht mehr baden, und vom Stephanstage (20. August) heißt es ebenda, von diesem Tage an darf man nicht mehr bad, denn der Hirsch pißt ins Wasser, und man wird krank davon176); vom gleichen Tage sagen die mährischen Tschechen, dass in der Nacht in jedem Gewässer Schlangen bad und ihr Gift in dasselbe lassen, daher soll niemand nach Stephani bad177). So ist für Ungarn und Tschechen Stephani der Schlußtag des Freibads.

172) Liebrecht Zur Volksk. 337 f.
173) Fogel Pennsylvania 260.
174) SAVk. 24 (1922), 66.
175) Fogel Pennsylvania 260.
176) ZfVk. 4 (1894), 405.
177) Grohmann 82.

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Inneres einer Badestube. Titelholzschnitt 1535.

8. Badestube und Ofen

a) Die Badestube hat in Deutschland wenig Aberglauben hinterlassen, da sie zu einer Zeit einging, als man den Aberglauben noch nicht aufzeichnete. Wenn sie in den Beichtfragen nicht vorkommt, wird damit nur bewiesen, dass diese vom Süden zu uns gelangten, wo es unsere Dampfbadestube samt Badequast nicht gab Das deutsche und nordische Seelbad und die Stellung des Donnerstags (s. 3d) im Badestubenaberglauben mit ihren Parallelen im Baltikum und bei den Nordslawen lassen schließen, dass mancher bei diesen Völkern noch bestehende Aberglaube auch bei uns einst vorhanden war.

Bei den alten Juden galt trotz der Liebe zum Bade das Badehaus als ein Ort des Schmutzes, der mit dem Abtritt auf gleicher Stufe steht, und jedes Thoragespräch ist daher im Bade verpönt. Musste doch selbst das für das Bad momentan zu erteilende Wort in profaner Sprache gesprochen werden. Der Hurenlohn und der Hundepreis sollen verwendet werden zu Abtritten und Bädern178). Im Glauben der Wotjaken heißt es: »In die Badekammer trag dein Heilkreuz nicht mit; das in die Badekammer mitgenommene Kreuz verliert seine (Fetisch-) Kraft und ist daher von keinem Nutzen mehr«179).

Bei der weißrussischen Landbevölkerung, bei der die Geburt im Sommer in der Banja (Badhütte) oder in einem leeren Stall, im Winter im Hause stattfindet180), vergräbt die Babka (Hebamme) die Nachgeburt meist unter der Diele der Banja, wobei sie sich nach allen 4 Himmelsrichtungen verbeugt, aber nicht bekreuzt, sondern die Hände auf dem Rücken hält, weil die Banja ein ungeweihter Raum ist181).

Den alten Letten galt die Badestube teils für heilig, teils für behext. In der Sage von Kurbrand werden 3 schöne Königstöchter, als sie sich einmal in der Badestube wuschen, von einem bösen Geist entführt. In derselben Badestube kocht Kurbrand einen Kessel Grütze. Der böse Geist wird vom Geruch angelockt. Kurbrand klemmt ihn in der Tür fest und verprügelt ihn, bis er ihm willfährig ist182). Bei den Esten rufen die Zauberer oft Krankheiten in der Badestube (Saun) hervor, aber die Weisen heilen die Kranken auch in der Badestube, und suchen sie von Zauberei zu befreien. Dabei muss vollständige Ruhe herrschen, auch ist es in keiner Weise erlaubt, die Pfeife des gehörnten Johannes (Sarve Jaan) zu blasen (pfeifen). Der Gesang oder die Pfeife des gehörnten Johannes ruft diesen sonst in die Badestube und macht die Heilung unwirksam. Der Weise heilt hauptsächlich mit Badequast und Worten. Gegen Geschwüre und ähnliche Schwellungen (!) schlägt er 3mal mit dem Quast unter die Fußsohlen und spricht dazu: »Kraut heraus!« Darauf schlägt er die kranke Stelle. Wird vermutet, dass den Kindern eine Krankheit angezaubert ist (aber oft auch im Fall anderer Krankheiten), beschwört der Weise beim Schlagen: »Schmutz, Schmutz ist über die Ader, Quastblatt über das (bezauberte) Blut«183). Bei den Wenden der Lausitz entledigt man sich des Wechselbalgs, indem man ihn mit einer Rute von Zweigen der Hängebirke (das ist der Badequast) kräftig durchpeitscht184).

Die Russen kennen einen »Mitternachtsgeist«, welcher den Kindern die nächtliche Ruhe raubt. Man vertreibt ihn mit 7 aus einem Badewisch (wohl Badequast) genommenen Ruten, indem man die Haustür öffnet und Besprechungsformeln hersagt185).

Zu Anfang des 19. Jhs. wurde in Wierland (Estland) das sog. Saksa-wiha-wõtmine - Befreiung von der deutschen Bosheit (Zorn) - häufig angewandt, wobei der Weise den vom Zorn Betroffenen in einer Badestube mit besprochenem Salz badete und dabei 3mal rief: »Die Herrschaft unter den Fußboden, du auf dem Fußboden!« Dabei verlangten manche Weise Blut von dem Schützling, der das Ansinnen oft (als Seelenverkauf) zurückwies186). Die Esten gießen (1854), wenn einem Kind durch ein 'böses Auge' ein Leid zugefügt wurde, Wasser durch die Glühsteine eines Badstubenofens, werfen darauf 3mal 7 glühende Kohlen ins Wasser. Man gibt zuerst davon dem Kinde zu trinken und badet es dann darin. So wird das Übel glücklich gehoben, das böse Auge aber nicht selten mit einer Entzündung bestraft187) (s. auch 3b, 3d). Die Granen, die Krankheitsdämonen des Wechselfiebers, kommen gewöhnlich aus Lappland nach Estland, in den heißen Ofen und in die Hitze der Badestube wagen sie dem Kranken nicht nachzugehen188) (s. noch 3c). Nach dem Poenitentiale Bedas wird die Mutter bestraft, wenn sie zur Heilung des Fiebers ihren Sohn aufs Dach oder in den Ofen (supra tectum aut in fornacem) legt, nach dem Egberti eboracensis (a. 748) auf das Haus oder den Ofen (supra domum vel fornacem) setzt189).

Dass Mädchen in Schlesien den Teufel (Wodan) zum Bad in der Kloake (Badestube) baten, damit er ihnen den zukünftigen Mann zeige, berichtet Frater Rudolfus. Clm. 5931 der bayerischen Staatsbibliothek (im 15. Jh. geschrieben)190) hat (unter der Überschrift »De variis remediis, herbis« usw.)191) die Stelle: »Pilsensamen in die padstuben auf den (Stein-)ofen gegossen, macht dy läut an einander slahen mit den padschefflein«192) (nicht etwa Badewannen, wie neuerdings gedeutet, sondern mit den kleinen Holzgefäßen, aus denen man Wasser auf die glühenden Steine des Ofens und am Schluss des Bades auf sich selbst goss). Für uns Heutige ist das kein Aberglaube, sondern Bilsensamenvergiftung. Ich erinnere mich einer Stelle, deren Quelle mir entfallen ist: »Machen, dass die Weiber nackend aus dem Bad gehen, leg Bilsensamen unter die Schwelle der Badestube.« Die Skythen warfen auf die glühenden Steine Hanfsamen (Herodot IV, 75) und schwitzten in dem Dampf. Das war ihr Reinigungsbad Wie Herodot meint, brüllten sie vor Freude193), in Wirklichkeit infolge der Haschischvergiftung. Vielleicht spielte bei den Deutschen in der Urzeit der Bilsensamen als Rauschmittel eine gleiche Rolle, damit wäre die Badestube dem Geisterglauben und dem Zauber weit offen gewesen.

In Norwegen glaubt man, wenn man einen Gang gehe und sich unterwegs bade, so kehre man unverrichteter Dinge zurück194). Die Wotjaken in Russland sagen: »Nachdem du 3mal in die einmal geheizte Badekammer hineingegangen bist, tritt zum 4. Mal nicht hinein, dann geht der Albasti (Wesen, das beim Alpdruck eine Rolle spielt) hinein«195). Die Esten gingen 1641, wenn sie zum Abendmahl gewesen, nicht vor 3 Tagen nachher in die Badestube196).

In Ägypten wird man durch Anstoßen mit dem Fuß in der Badestube von Dämonen überfallen197).

178) Krauß Talmudische Archäologie 1 (Leipzig 1910), 232 f.
179) Liebrecht Zur Volksk. 337.
180) ZfVk. 17 (1907), 165.
181) Ebd. 167.
182) Victor v. Andrejanoff Lettische Märchen. Reclams Univ-Bibl. 3518, 27.
183) Eisen Estnische Myth. 16 f.
184) Ploß Kind 1, 104.
185) Ebd. 1, 108 f.
186) Boecler Ehsten 145.
187) Ebd. 62.
188) Eisen Estn. Myth. 55.
189) Grimm Myth. 3, 406.
190) Mitt. d. Handschriftenabt. d. bayer. Staatsbibliothek München.
191) Mitt. d. Handschriftenabt. d. bayer. Staatsbibliothek München.
192) Schmeller BayWbad 1, 208.
193) Schrader Reallex.2 1, 74.
194) Liebrecht Zur Volksk. 337.
195) Urquell 2 (1893), 144.
196) Boecler Ehsten 64.
197) Der Islam 7 (1917), 3 Anm. 1.

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Das Innere einer ussischen Banja. Lithographie o.D.

b) Bad im Ofen

Im russischen Gouvernement Jaroslaw schwitzt der Kranke gegen Erkältungs-, aber auch viele andere Krankheiten in der Badestube, wo die Temperatur bei gesättigter Dampfatmosphäre auf bis 50-60° Celsius steigt. Nachdem er sich alle möglichen Extrakte eingerieben hat, legt er sich auf das Treppenpodium, wobei er sich auf den Kopf entweder einen Tontopf oder einen Birkenbesen in der Art eines Hutes setzt. Nach dem Schweißausbruch schlägt man sich - wie beim Bad - den ganzen Körper mit Birkenruten rot und trinkt dann das vorgeschriebene Kräuterinfus. Man geht aber auch nach Einnahme des Tranks in den russischen Ofen, wo die nötige Temperatur durch etwas auf die Steine gegossenes Wasser bestimmt wird - es darf nicht zischen, sondern muss ruhig verdampfen -, die Ofentür wird geschlossen, und der Kranke schwitzt. Laut Statistik von Rd. Tisjakow starben 1910 im Gouvernement Saratow 792 Menschen im Ofen198) (s. auch 8a).

Auch in Deutschland schwitzte man im Ofen, allerdings dem Backofen und zwar auf Brettern nach Herausholen des Brotes. Nach Ryff (16. Jh.) muss sich zuweilen der arme Mann auf den Dörfern aus Notdurft gegen Wassersucht mit dieser Art Bad behelfen. »Aber die meister der artznei bruchen es wenig«, sagt Phries (16. Jh.). Todesfälle werden 1610 und 1748 gemeldet199). In der Schweiz hat man deshalb (bekannt seit 1645) über dem Backofen besondere Badestuben errichtet, die Bäckerbadstuben hießen und fast wie die öffentlichen betrieben wurden. Das Bad nannte man Brotbad, wurde Hafer im Ofen gedörrt, Haferbad, schüttete man 1 Glas Essig in den heißen Backofen, Essigdampfbad Die Bäder wurden gewöhnlich 1/2 bis -1 1/2stündig 6 Tage lang gegen Rheumatismus und Gicht gebraucht. Sie kommen heute noch vor. Ein Zusammenhang mit Brotaberglauben ist ganz verloren gegangen200). Sicher war sich der 'Gandahannes', der wegen schweren Rheumatismus in der Valser Therme mit Erfolg gebadet hatte und, um den Weg zu sparen, daheim auf einem Brett als Sitz im verschlossenen Backofen die Kur mit gleichem Erfolg fortsetzte201), keines Aberglaubens bewusst. Auch in der Behandlung der Krätze im Backofen (Ungarn, Oberschlesien)202) kann ich keinen Aberglauben sehen. Er besteht nur bei der Behandlung des Kindes. Der rasch fortschreitende Körperschwund, eine schwere Erkrankung, bei der das Kind ein greisenhaftes Aussehen bekommt, die heute als Dekompensation (Finkelstein) bezeichnet wird203), in Karlsbad und Umgegend 'Altvater'204), in Steiermark das 'Älter'205), in der Rockenphilosophie 'Elterlein'206), in Siebenbürgen das 'Hundsalter'207), in Niederösterreich (Neunkirchen) 's Gölta'208) heißt, wurde durch Einschießen des Kindes auf einer Brotschüssel in den Backofen meist unter Hersagen eines Spruches vermeintlich geheilt. Man nannte das gewöhnlich Umbacken, in Niederösterreich Göltawenden. (S. weiteres bei backen Sp. 9 u. 760.) In Ungarn schiebt die Hebamme den vom Wassermann untergeschobenen Wechselbalg mit den Worten ein: »Hier hast du den Teufel, gib mir mein rechtes Kind zurück«209). In Stettin steckt man das Neugeborene ein Weilchen in den Backofen, so wird es keine Sommersprossen bekommen210) (s. auch 8a).

198) Arch. f. Gesch. d. Med. 18 (1926), 264.
199) Martin 126 f.
200) Ebd. 112 f.; SAVk. 22, 129 ff.
201) Jörger Vals 65.
202) Arch. f. Kriminalanthropologie 28 (1907), 362.
203) E. Feer Diagnostik der Kinderkrankheiten (Berlin 1924) 228.
204) Ploß Kind 1, 130.
205) Fossel Volksmedizin 84.
206) Grimm Myth. 3, 437 Nr. 75.
207) Hillner Siebenbürgen 51 Anm. 183.
208) Hovorka u. Kronfeld 2, 657.
209) Ploß Kind 1, 107. 210) Urquell 5, 279.

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Kinderbad auf dem Lande. Holzstich um 1890.

9. Bad in der Wohnung, Zauberbäder
Im Hause wird das 1. Kindsbad genommen, dessen Aberglaube meist auf die späteren äußeren Verhältnisse, auch auf die Erhaltung der Gesundheit wirken soll.

Kleine Wiegenkinder bekommen im Böhmerwald Terminalknospen der Fichten und Tannen und andere Kräuter ins Bad, damit sie kräftig werden211). Die Siebenbürger Sachsen gebrauchen bei schwachen Kindern Zusätze von Eidotter, Kornschleim, altem Wein212), Milch; wenn das Kind vor Schwäche nicht stehen und gehen kann, tut man verrostetes Eisen ins Bad -wie das Eisen stark ist, soll auch das Kind stark werden -, dann reibt man das Kind mit Natternfett ein213).

In Franken badet man beschriene Kinder mit Beschreikraut (Sideritis, wahrscheinlich Stachys recta)214). Im Voigtland wird gegen die englische Krankheit ein 2- bis 3maliges Bad empfohlen, in dem ein vom Schindanger geholter Pferdekopf abgekocht ist (Reichenbach)215). In dem dem Voigtland benachbarten Reußischen nimmt man das Wasser zum Bad aus einem Bach, über den eine Leiche getragen wurde, gegen Fräsel (Gefraisch)216).

In Schlesien weicht die Abzehrung (= Älterlein), wenn man das kranke Kind in dem Wasser badet, worin am Fronleichnam zusammengelesener Kalmus gekocht worden ist (Breslau, Brieg, Kreuzburg). Auch wird Kirchhoferde von 3 Gräbern in Flusswasser gekocht und das Kind darin gebadet. Am Abend streut man die Erde wieder auf die Gräber und gießt das Wasser in den Fluss zurück. Das wird dreimal gemacht, doch muss die Erde jedes Mal von 3 anderen Gräbern genommen werden (Leobschütz). Man setzt das Kind auch in eine Wanne mit warmem Wasser, schmiert es mit einem Brei aus Weizenmehl und Milch, die beide geschenkt sein müssen, an 3 Freitagen ein, badet es und gießt dann das Wasser von einem Bergel herunter (Kreuzburg)217). Hat man in der Grafschaft Glatz (Schlesien) zur Genesung eines kranken Kindes (wohl auch beim Älterlein) einen Teigabdruck ohne Erfolg im Ofen gebacken, so geht man nachts 12 Uhr auf den Kirchhof, nimmt 3 Hände voll Gras und betet ein Vaterunser für die armen Seelen. Das Gras wird gekocht und das Kind in dem Absud gebadet. In 3 Tagen genest das Kind oder stirbt218). Die Siebenbürger Sachsen bad das Kind gegen das Hundsalter (Älterlein) in Bädern aus Erbsenstroh oder aus Heublumen; besonders kräftig ist das Bad, in dem zuerst ein junger Hund gebadet wurde (Rätsch)219). Sind die Geschlechtsteile des Neugeborenen durch Quetschung bei der Geburt angeschwollen, so wird eine Nuss, die mit dem Wasser erwärmt wird, bis zur Heilung in jedes Bad gelegt220). Um Gelbsucht eines Kindes zu heilen, wird ein Seidel Wein ins Badewasser geschüttet, und gelbe Rüben, welche in feine Schnitten geschnitten und an einen Faden gereiht wurden, werden ins Wasser gegeben (Leschkirch in Siebenbürgen)221).

Sehr beliebt sind Bäder bei den Tschechen und Slowaken gegen Tuberkulose der Kinder. Hovorka und Kronfeld teilen eine Menge mit, bei denen die Herstellung und Anwendung meist sehr umständlich ist222). Grohmann gibt für die Tschechen nur an: Will man das Kind von der Schwindsucht (suchoty) heilen, so bade man es mit einem Hunde oder mit einer Katze, nach dem Geschlecht des Kindes, im Wasser, welches aus 9 Quellen oder Brunnen geschöpft ist223). Von den Rumänen in der Bukowina sei ein Rezept gegen Konvulsionen der Kinder mitgeteilt. Man nimmt 9 Schaffüße, kocht sie an einem Fasttage in einem neuen Topf in »unangefangenem« Wasser, womit man dann das Kind vor den heiligen Bildern vor Sonnenaufgang, zu Mittag mitten im Zimmer und dann vor Sonnenuntergang bei der Tür badet und dann sogleich das Bad hinausschüttet; tritt die Heilung nicht nach einem eintägigen Baden ein, so muss dieses an Montagen, Mittwochen und Freitagen wiederholt werden224).

Auch bei Erwachsenen sind derartige Bäder üblich. In altirischen Sagen macht man den Helden ein Bad aus Fleischsud (Schweinefett und Kälberfleisch)225), sicher zur Stärkung. In Oberbayern ist heute noch ein Kälberfußbad volksüblich226). Gegen die Abzehrung gebrauchen die Bewohner des Riesengebirges Bäder aus Schafsfüßen, Rindsknochen und Rindermagen (Kuttelflecke genannt) mit aromatischen Kräutern im zunehmenden Mond, oder sie bad im Schlamm, in welchem neunerlei Hölzer verfault sind227). Pantaleon, Arzt in Basel, empfahl 1578 den Lungensüchtigen Wasserbäder, »so ab Kalbsköpfen und -füßen gesotten«, an Stelle der Thermen. Pictorius erwähnt 1560 Bäder von Baumöl, Milch, Molken, Wein, Öl, in dem ein Fuchs oder Dachs zuvor gesotten wurde (wohl zu dem gleichen Zwecke), sagt aber, »man schreibt von ihnen«228). Der Züricher Stadtarzt von Muralt schreibt 1711, dass einem Kranken, der durch Zauberei zu 'verdorren' anfängt, jeweils nach dem Bade alle Gelenke mit destilliertem Öl von Menschenschmalz und Beinen geschmiert werden sollen. Das soll dem Leib und auch der Vernunft des Kranken sehr wohl bekommen229).

Poppaea Sabina, Kaiser Neros Gemahlin, badete alle Morgen in Eselinnenmilch und führte auf ihren Reisen nach dem Bericht des Dio Cassius 50 Eselinnen in ihrem Gefolge mit; die Gemahlin des Kaisers Augustus soll gar die Milch gefangener keltischer und germanischer Frauen zu Bädern benutzt haben230), in beiden Fällen wohl als Schönheit erhaltendes Mittel. Nach Ryff (16. Jh.) war bei den Deutschen in Milch zu bad ebenso ungewohnt wie in Wein und Öl. 1793 aber benutzte man Milch- und Molkenbäder, wobei man glaubte, die Kranken damit zu ernähren231).

Das Bad in Menschenblut galt als Mittel gegen Aussatz. Nach Plinius (hist. nat. 26, 8) wandten es die ägyptischen Könige gegen Elephantiasis (Aussatz?) an232). Ein Menschenblutbad soll von Aretaios (2. Jh. n. Chr.) als angeblich keltisches Heilmittel erwähnt worden sein233). Marcellus (Emp. XIX, 18, im 5. Jh. n. Chr.) empfahl es gegen Elephantiasis (Frankreich)234). Die hl. Hildegard, Äbtissin auf dem Ruppertsberg bei Bingen, rühmt Menstrualbäder gegen Aussatz235). Als Kaiser Konstantin der Große am Aussatz erkrankt war, wurden ihm Bäder aus kindlichem Blut verordnet; der Kaiser gab aber die gewaltsam beigebrachten Knaben und Mädchen den Müttern zurück, weil die Gottlosigkeit einer solchen verbrecherischen Tat ersichtlich, der Erfolg doch nur ungewiß sei236). Konrad von Würzburg lässt den Kaiser in Rom krank sein, die Meister des Kapitols raten ihm, im Blut unschuldiger Kinder zu baden, worauf er 3000 nach Rom bringen läßt, »daz im würde ein bat gemachet ûz ihr bluote dô«237). Dem aussätzigen König Richard von England rät ein Jude, sich zur Befreiung von seiner Krankheit im frischen Blut eines neugeborenen Kindes zu bad und dessen Herz ganz warm und roh, so wie es aus dem Leibe genommen, zu verzehren (Marbachs Volksbücher, Leipzig 1841, 22). Für den Armen Heinrich (von Hartmann von Aue) kennt der berühmteste Arzt von Salerno zur Heilung des Aussatzes nur ein Mittel: das Blut einer reinen Jungfrau238). In den 7 weisen Meistern erklären 30 große Meister und Ärzte aus allen Ländern, dass sie den aussätzigen König Alexander von Ägypten nicht heilen können; eine Stimme sagt ihm aber, während er betet, sein Freund, Kaiser Ludwig von Rom, werde ihn heilen, wenn dieser ihn mit dem Blut seiner beiden, von ihm selbst getöteten Söhne wasche, was auch geschah239). Allen Ernstes berichtet der Zürcher Chorherr Wyck von einem Schreiben aus Ferrara vom 27. April 1587 an J. Hanns Ulrich Grebell (in Zürich), nach dem Signora Biancha Capella, Gemahlin des Herzogs von Florenz, »als sie etwas krank gewesen«, auf den Rat jüdischer Ärzte 200 Kinder töten ließ, in deren Blut die Juden sie badeten. »Ist aber glich wol Ir kranckheit nit hingangen«. Und der Berner Chronist Anshelm schreibt, 1483 habe sich König Ludwig XI. von Frankreich gen Tours zu St. Martin tragen lassen, der vor seinem Tode »insunders von wegen der Malacy (Aussatz) vil Kinderblut gebrucht«240).

Tierbäder, d.h. Bäder, bei denen der ganze Mensch oder einzelne Körperteile in frisch geschlachtete Tiere oder Organe derselben gehüllt wurden, sind nach Hovorka und Kronfeld ein allgemein verwendetes Volksmittel241). Bartels gibt an, dass ihm bei Naturvölkern nur ein Beispiel bekannt sei. Bei den Onkanagan-Indianern Nordamerikas wurde ein verzweifelter Fall von Schwindsucht angeblich dadurch geheilt, dass sie 42 Tage hindurch täglich einen Hund töteten, den Bauch aufschnitten und die Beine des Kranken in die noch warmen Eingeweide legten, wobei noch gewisse Rindenabkochungen gebraucht wurden242). Struck und Pototzky meinen (ohne Beleg), sie kämen bei Indianern nicht so selten, wie Bartels glaubt, vor, und sie seien in Afrika auch wohl bekannt. In Südwestafrika schlachtet der Reiche einen Ochsen und hüllt sich in den noch warmen Mageninhalt desselben ein, indem der Magen selbst soweit als möglich zur Bedeckung verwandt wird243).

Der spätere Abt Purchard von St. Gallen wurde 14 Tage vor der Zeit aus der toten Mutter durch Kaiserschnitt geboren und in das Fett eines frisch ausgenommenen Schweines gewickelt (10. Jh.)244). Caesar Borgia wird gegen Arsenvergiftung (nach anderer unwahrscheinlicher Vermutung gegen Schüttelfröste) in die Haut einer frisch geschlachteten Eselin eingehüllt245). Johannes von Muralt sagt 1697, dass man bei Schwindung von Gliedern einem Hund den Bauch öffnen, das Glied also warm hineinstoßen und hernach mit Menschen-, Dachs- oder Fuchsschmalz schmieren soll246). In der Bukowina wickeln die Rumänen ein tuberkulöses Kind in den einem geschlachteten Tier entnommenen Darm247).

In Gutentag (Herrschaft zwischen Radkersburg und Pettau in Steiermark) hatte 1661 eine Frau mit Hilfe einer Hexe einem Mann eine schwere Krankheit angezaubert. Sie bat später dieselbe Hexe um Rat, die Krankheit zu beseitigen, »welliche disser 9 felberne (Weiden-) Ruethen in ain Padt, absonderlich aber dass Fuepper Khrautt, Guldes Krautt zu kochen, die Stain aber mit denen von sich selbsten verdorbenen Kronobethern (Kranewitbeeren, Wachholder) zu hizen anbevolchen«. Darein wurde der Kranke gebracht und genas248). Erklärend sei bemerkt, dass man heute noch in einzelnen Bädern Tirols das Wasser dadurch erwärmt, dass man erhitzte Steine in die hölzernen Badewannen legt249). In der Practica des Berthol. Carrichter, Leibarztes Maximilians II., wird (wie Grimm aus Wolfg. Hildebrand, Von der Zauberei, Leipzig 1631 S. 226 entnimmt) ein Zauberbad beschrieben, das nicht an gemeinem (stahlgeschlagnem) Feuer gekocht werden darf. Es heißt: »Geh zu einem Apfelbaum, da der Donner eingeschlagen hat, aus dessen Holz laß dir eine Säge machen, mit dieser Sägen soltu auf einer hölzen Schwelle, darüber viel Volks geht, so lange sägen, bis es sich anzündet. Dann mach Holz aus Birkenschwämmen und zünd es bei diesem Feuer an, mit dem du das Bad zurichtest, und lass es beileibe nicht ausgehn«250).

Es sei hier auch des Glaubens aus der Rockenphilosophie gedacht, ein gebrauchtes Fußbad soll nicht eher als den anderen Tag ausgegossen werden, man gieße sonst das Glück mit weg251).

211) Schramek Böhmerwald 181.
212) Hillner Siebenbürgen 16.
213) Gaßner Mettersdorf 15.
214) Lammert 83.
215) Köhler Voigtland 354.
216) Seyfarth Sachsen 214.
217) Drechsler 2, 314 f.
218) Ploß Kind 1, 535.
219) Haltrich Siebenbad Sachsen 264.
220) Hillner Siebenbürgen 16.
221) Hillner Siebenbürgen 50.
222) Hovorka u. Kronfeld 2, 659 ff.
223) Grohmann 179.
224) ZföVk. 4 (1898), 218.
225) Zeitschr. f. Balneologie 6 (1913-14), 375.
226) Zeitschr. f. Balneologie 6 (1913-14), 375.
227) Drechsler 2, 314 f.
228) Martin 129.
229) Otto Obschlager Der Züricher Stadtarzt Joh. von Muralt. Diss. (Zürich 1926), 41.
230) Marshall Arznei-Kästlein 96.
231) Martin 129.
232) Urquell 3 (1892), 115.
233) Zeitschr. f. Balneologie 6 (1913-14), 375.
234) Zeitschr. f. Balneologie 4 (1911-12), 60.
235) Hovorka u. Kronfeld 2, 616.
236) Marshall Arznei-Kästlein 75.
237) Martin 203 f.
238) Lammert 190.
239) Richard Benz Die deutschen Volksbücher, die 7 weisen Meister (Jena 1911), 145 ff.
240) Martin 203 f.
241) Hovorka und Kronfeld 2, 246.
242) Bartels Medizin 135.
243) Struck u. Pototzky Die Hydrotherapie der Afrikaner. SA. 6. Deutsche med. Wochenschr. 1908 Nr. 30.
244) GddV. 10. Jh. 11 (Leipzig 1878), 129 f.
245) Mitteilungen z. Gesch. d. Med. 25 (1926), 320.
246) Otto Obschlager Der Züricher Stadtarzt Joh. von Muralt. Diss. (Zürich 1926), 41.
247) Hovorka u. Kronfeld 2, 663.
248) ZfVk. 7 (1897), 191 f.
249) ZAlpV. 20 (1889), 195.
250) Grimm Myth. 1, 505.
251) Ebd. 3, 445 Nr. 350.

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10. Das Bad zu Heilzwecken in kalten Quellen, in Gletscherspalten, in Fluss und See, im Meer

Zu einem Teil untersteht dieses Bad dem Zeitaberglauben (s. 6).

a) Über die verschiedenen Gebrauchsarten der kalten Quellen in England gegen die englische Krankheit der Kinder sind wir durch einen Brief Ellisons aus dem Jahre 1700 an den Arzt Floyer gut unterrichtet:
»Nichts ist gemeiner in diesem Lande und wird gemeiniglich nützlich zur Verhütung oder Kurierung der Rachitis befunden, als Kinder von 1 Jahr und darüber zu St. Bedes, Honwick oder St. Mungos Brunnen (welches sehr kalte Quellen sind) zu schicken und in den Monaten Juni und Juli des Abends 14 Tage lang und länger einzutauchen.« Wenn die Kinder sehr zart sind, wird ein oder mehrere Tage ausgesetzt. »Einige tauchen sie 2-3mal über den Kopf in ihren Nachthemden und Kappen und lassen sie zwischen jedem Eintauchen ein wenig verblasen, andere tunken sie nur bis an den Hals (weil das Wasser ihnen den Atem benehmen könnte), tunken aber die Nachtkappen treulich ein und setzen sie naß auf ihr Haupt. Andere (wo der Brunnen nicht räumlich genug) sind zufrieden, ihre Kinder in einen Kübel voll von der Quelle gesammelten Wassers zu stecken und ihnen das Wasser über den Kopf zu gießen.« Alles geschieht geschwind; in 3 Minuten erholen sich die Kinder vom Eintauchen. Andere tauchen aus Zärtlichkeit nur Hemd und Nachtkappen ein und legen sie den Kindern an. Nach dem Eintauchen werden diese mit den nassen Kleidern in warme Decken gehüllt, ins Bett gelegt und schwitzen. So liegen sie bis zum Morgen und bekommen dann trockene Hemden und Nachtkappen an. Man gibt ihnen stärkende Gallerten von Hirschhorn und Kalbsfüßen usw. Wenn das Laub zu fallen beginnt, sind sie völlig gesund oder doch besser. Hat das Eintauchen nicht geholfen, wird es im nächsten Jahr wiederholt. Die Diät wird nicht geändert, Purgiermittel werden vor und nachher nicht gegeben, auch Herzstärkungen nicht, außer einem Löffel Sektwein vor und nach dem Eintauchen, wenn ihn die Kinder nehmen wollen. »Es muss acht gegeben werden, dass der Nacken der Kinder warm gehalten wird, damit sie sich nicht erkälten.«

Ellison versichert, dass kein Todesfall bekannt geworden ist und seine eigenen 4 Kinder mit guter Wirkung eingetaucht worden seien. Von einer sehr kalten Quelle zu Scarborough in der Grafschaft York an der Nordsee sagt 1678 Robert Witte, dass dort die Mütter ihre rachitischen Kinder 5 bis 9mal mehrere Tage nacheinander eintauchen und sie nachher in warmen Betten schwitzen lassen252). Was hier von Ärzten berichtet wird, ist eine kunstgerecht ausgeführte, feuchte Packung. Außer der Tatsache, dass sie am hl. Quell stattfindet und dessen Wasser verwendet wird, hören wir nichts von Aberglauben, im Gegensatz zu den Berichten der Volkskundler, wo bestimmte Tage, Sonnenkult und Lappenaufhängen eine Rolle spielen. Außer den eben und unter 6e genannten Quellen sei eine am Fuß des Cheviotberges bei Wooler in Cornwallis genannt, in der man die Kinder badete, nachdem man »Hey, how!« geschrien hatte. Nachher opferte man ein Stück Brot oder Käse darin253).

In Frankreich gebraucht man eine große Anzahl Quellen zur Heilung der Schwäche und der Rachitis der Kinder. Man lässt sie Wasser aus der hl. Quelle trinken oder taucht sie bis zum Hals ein. In eine Quelle von St. Vizia in Finistère (Nordwestfrankreich) werden die Kinder drei aufeinander folgende Montage eingetaucht. Man besprengt den Kopf mit dem Wasser, gießt es in die Ärmel und auf den Rücken, trägt sie 3mal um die Kapelle und rollt sie dann über den Altarstein. Auch der Brauch, das Hemd des kranken Kindes in die hl. Quelle zu tauchen und es ihm anzulegen, ist in ganz Frankreich verbreitet (auch im Veltlin an der Quelle des hl. Luigi, die gegen Behextsein hilft)254). In Finistère kam es 1830 vor, dass eine Mutter, deren Säugling am Fieber litt, 3 Bettler zur hl. Quelle schickte, die dort 9 Tage beteten und das eingetauchte Hemd zur Heilung mitbrachten255).

Bei Courfaivre im Berner Jura fällt in einer Grotte die ziemlich starke Quelle der hl. Columba in ein schmuckloses Becken. In dieses tauchen die Eltern ihre rachitischen (nach anderer Mitteilung verkümmernden) Kinder. Oft, wenn man die Straße entlang geht, hört man ein Gebrülle und Geschrei. Das sind die Kinder, die man eben ins kalte Wasser taucht. Nach Runge geht der Eintauchung ein Gebet voran, und der Volksglaube verbietet das Eintauchen der Kinder am Freitag256).

Im deutschen Sprachgebiet sind die kalten Quellenbäder der Kinder selten. Sie kommen im Luxemburgischen, im Elsässer Sundgau (s. 6e) vor. In Schlatt bei Staufen (Baden) übte vor 50 Jahren der Müller über die am Bergli entspringende, schwach eisenhaltige, kalte Quelle das Baderecht aus, indem er am Sonntag vor der Vesper kranke Kinder 3mal mit einem Heilspruch hindurch zog und sie dann unter dem Gebet des Pfarrers auf den Altar des später durch St. Sebastian ersetzten St. Apollinaris legte257). Dass bei uns dieser Aberglaube einst stark heidnisches Gepräge trug, zeigt Johannes Wuschilburgk (15. Jh., wahrscheinlich Erfurter Gegend): »Einen mit einer Krankheit behafteten Knaben tragen sie zu einer sprudelnden Quelle und baden ihn darin« (ex hoc [wohl besser mit 'Wasser aus dieser' zu übersetzen]) an drei Tagen vor Sonnenaufgang und nehmen von dem Wasser etwas mit und tragen den Knaben in eine Pferdekrippe, die sie mit dem Wasser begießen, indem sie den Reim sprechen: »Loß dich lung und leber von dem ripp, Als das futir von der cripp«258).

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Kalte Abwaschung. Holzstich um 1890.

b) Weniger hören wir vom Bad, bzw. Eintauchen kranker Glieder der Erwachsenen in die kalten Quellen der Gebiete, wo es bei Kindern Brauch ist. Der erwähnte Dr. Davison sagt (um 1700) von England, dass Leute vom 6. Monat bis zum 80. Jahr die Brunnen gegen eingewurzelte Schmerzen in Gelenken und Muskeln nach langwierigen Flüssen (Rheumatismen) und Quartanfiebern, wie auch von Verdrehung der Flechsen und Quetschungen, gegen Rachitis und alle Schwäche der Nerven entweder überhaupt oder eines besonderen Gliedes anwandten. Erwachsene blieben 1/4-1/2 Stunde im Wasser. Kranke schwitzten darnach im Bette, Gesunde kleideten sich an und bewegten sich bis zur Erwärmung. Die Kur erforderte keine Vorbereitung und keinen Wechsel der Lebensweise und dauerte 14 Tage. Täglich wurde 2mal eingetaucht. In der Quelle von Scarborough (York) sollen (1678) Krampfkranke 1/2 Stunde ausgehalten haben. In St. Winfreds Brunnen (Wales), der schon i. J. 644 Wunder bewirkte, wurden ein Ritter von Bath von Aussatz geheilt (1606), ein Geschwür nach 3maligem Bad, ein gelähmter Quäker und eine Abgezehrte, die in England, Frankreich und Portugal vergebens Hilfe gesucht hatte, auf einmaliges Bad259).

In Frankreich stehen mehrere Quellen auf der äduischen Hochebene im Ruf, gewisse Krankheiten zu heilen. Die Kranken machen das Zeichen des Kreuzes, rufen den Heiligen an, werfen, während sie die Glieder eintauchen, Geld und auch Nahrungsmittel in die Quelle und nehmen Wasser als Allheilmittel mit260).

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Das Bad zu Leuk im Wallis. Colorierter Holzschnitt aus Sebastian Münsters, Cosmographiae universalis, Basel 1550.

In Steiermark entspringt seit 'undenkbarer Zeit' am 'Stein' bei Mittendorf am Fuße des Grimming eine Quelle gegen Gicht und Geschwüre und heißt 'Heilbrunn'. In alten Zeiten war dort ein steinernes Becken vorhanden, und einem Bilde nach badete man die Füße darin. Weit häufiger wurden in der deutschen Schweiz die kalten Quellen von Erwachsenen benutzt. Man nannte sie Kaltbäder, auch Kaltwehbrunnen (wegen des Gebrauchs gegen Kaltweh, Malaria). In der Regel bestand die Kur in einem 3maligen Eintauchen, so hat man genug, wie Stumpf 1546 sagt. Rigikaltbad bestand aus einem Trog, in den der nie über 5° C warme Schwesternbrunnen (bei der Kapelle des Erzengels Michael) floss. 1661 heilte es Fieber und andere Gebrechen. Ein Kaltbad im Entlibuch hatte 1661 ähnliche Wirkung. Schwendikaltbad (Unterwalden) wurde 1576 nach Adam von Bodenstein von vielen besucht, »aber sie verharren nit lang darin, vertreibt etliche kranckheiten gar schnell«. Seit 1706 wurde es gewärmt benutzt, die Kur dauerte 1826 in der Regel 10 Tage, und zum Beschluss pflegte man noch einige Male den Körper oder das kranke Glied in kaltes Wasser einzutauchen. Im kalten Bad im Krauchtal (Glarus) wurde an den 3 ersten Sonntagen im August, den kalten Badsonntagen, viel gebadet. Nach Stumpf (1546) wurden verfinsterte Augen erleuchtet, etliche bekamen das Gehör wieder, doch fügt er hinzu, dass etliche Gebrechen auch böser geworden seien. 1714 wurde dort, wenn auch nur zuweilen, noch gegen Krankheiten gebadet261). Zur Quelle von Augsport (Wallis) wallte 1574 täglich eine große Menge Menschen, die zum Teil aus weiter Ferne kamen, sie tranken von dem sehr kalten Wasser soviel sie vermochten, wuschen darauf den ganzen Körper oder das kranke Glied mit dem Wasser, das sie mit den Händen schöpften, und nahmen Heilwasser in Flaschen mit nach Hause262). Die Quelle von Sakramentswald in Unterwalden, die entstand, als Räuber auf der Alp das gestohlene Sakrament niedergelegt hatten, über der sofort eine Kapelle errichtet wurde, befreit die Badenden von allen Krankheiten, lässt sich aber nicht trinken und kann auch nicht herausgeführt werden263).

In dem erwähnten Schwendikaltbad behielt man zu Anfang des 18. Jhs., wenn auch nicht immer, beim Eintauchen die Kleider an, 1826 tauchte man nur noch bekleidet den ganzen Körper oder einzelne Teile ein, und trocknete die Kleider dann an der Sonne. Hier bestand auch vormals die Sitte, Leute für Geld zu dingen, um sich für einige Minuten ins kalte Bad zu setzen für Rechnung und Frommen irgendeines Kranken, welcher diese Verrichtung an dem wilden, sehr entlegenen Orte nicht selbst übernehmen wollte oder konnte264).

c) Die Tiroler Bauern gebrauchen eine Fernerkur. Menschen, die an den 'unteren Extremitäten' leiden, halten sich dann und wann in einer dem Gletscher nahe gelegenen Hütte auf und lassen den Fuß in eine Spalte hineinhängen, weil ein Gletscher alles 'auszieht'265). Nach Paracelsus werden Räude (Pruritus) und Krätze (Scabies) durch Schneewasser in Gebirgen geheilt. Die erkrankten Glieder seien darin zu baden, wodurch sie narkotisiert würden266).

d) Eine Eigentümlichkeit von Kärnten ist der ziemlich verbreitete Glaube an den gemeinen Kalmus, der insbesondere gegen Schwäche wirken soll. Man badet gern entweder in einem See oder in einem Fluss, an deren Ufer die Schäfte dieser Pflanze in Menge gedeihen, wie beispielsweise im AusFluss des Ossiacher Sees zu St. Andrä bei Villach, welcher Ort als 'Kalmusbad' weit bekannt ist; oder man schneidet Kalmusstengel, die man in irgend einem Sumpfe gesammelt hat, in eine Badewanne und gießt Wasser darauf, wie es im sogenannten Kalmusbad bei Feldkirchen geschieht267).

e) Weit verbreitet ist der Glaube, durch Meerbäder Tollwut heilen zu können. Der Legende nach wurde der Dichter Euripides, als er vom tollen Hunde gebissen, von den ägyptischen Priestern ins Meer getaucht. In Italien, Frankreich, Holland und England waren sie in Gebrauch. 1783 nahm man sie am Mittelländischen Meer 9 Tage. In Marseille setzte man den Kranken auf den Knien ins Meer nahe dem Ufer und ließ 9 Wellen über ihn ergehen, wobei ihn 2 kräftige Leute niederdrückten. In Artois tauchte man 3mal ins Meer zu Ehren der Hl. Eurone und Hubertus. Vom 17. bis ins 19. Jh. war besonders das Meer bei Dieppe heilsam. 1775 hatte die Stadt dort besondere Leute zum Eintauchen angestellt, die es allein besorgen durften. Sie und der Kranke mussten vollkommen nackt sein (selbst die Ringe wurden abgezogen). 5mal musste die Woge über den Kranken hinweggehen268).

In Portugal nahmen fiebernde Kinder 9 Kieselsteine, warfen sie zu dreien ins Wasser und riefen: »Fieber, Fieber, gehe ins Meer, während ich mich bade, Fieber, gehe heraus aus meinem Körper«269).

In Swinemünde herrscht die Sitte, dass in der See badende Frauen, wenn sie das letzte Bad genommen, einen Kranz in das Meer werfen. Nimmt ihn die See mit fort, kommt das Übel nicht wieder270). Gleiches wird aus Memel und anderen preußischen und kurischen Badeorten berichtet. Die Opfergaben sind Blumen, Kränze, auch kleine Münzen. Die Badefrauen glauben, zuweilen eine weiße Frau in der See zu sehen, die nach dem Lande hinwinke, denn eine der Badenden müsse in jedem Jahr sterben, damit die anderen genesen können271). Alt können Glaube und Brauch, wenigstens in dieser Überlieferung, nicht sein, da die Ostseebäder erst Ende des 18. Jhs. aufkamen272).

252) Martin 29 ff.
253) Sébillot Paganisme 67.
254) Ebd. 66 ff.
255) Ders. Folk-Lore 2, 278 f.
256) Martin 24 ff.
257) Meyer Baden 41 u. 569.
258) ZfVk. 11 (1901), 275.
259) Martin 29 ff.
260) Humbert Mollière Mémoire sur le mode de captage et l'aménagement des sources thermales de la Gaule romaine 52. SA. Mémoires de l'Academie de Lyon (1893).
261) Martin 24 ff.
262) Martin 226.
263) Martin 24 ff.
264) Martin 24 ff.
265) ZAlpV. 20 (1889), 204 f.
266) Martin 28.
267) ZAlpV. 20 (1889), 209.
268) Bulletin de la Société française d'histoire de la médecine 6 (1907), 182 ff. und E. Wickersheimer Hundegalskab og Strandbade (Kopenhagen 1913), 1 ff.
269) Sébillot Paganisme 303 f.
270) Kuhn u. Schwartz 464 Nr. 478.
271) Weinhold Quellen 54.
272) Martin 62 f.

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11. Der Badeaberglaube in den Heilbädern hat schon mehrfach Erwähnung gefunden (s. 5, 6c, 6e, 6f). Heute noch beruht die wissenschaftliche Bäderanwendung zum großen Teil auf der Erfahrung, für die meist eine erschöpfende Erklärung nicht gegeben werden kann. Sie hat sich aus dem Volksgebrauch und dem Volksglauben entwickelt. Das Eintauchen kranker Kinder in die kalten heiligen Quellen Englands z. Bad gab dem Arzt Floyer die Unterlagen für eine aberglaubenfreie Wasserheilkunde, die den Gebrauch der See- und später der Solbäder nach sich zog und die Flussbadeanstalten veranlaßte273).

Das Volk hat heute noch eigene Anschauungen, die mit der Wissenschaft nicht in Einklang stehen. Zahlreich sind die Quellen, die gewöhnliches Wasser enthalten und die, auch wenn sie mit einem Kult keine Verbindung haben, für heilkräftiger als dieses gelten und zu Badekuren gebraucht werden. Schon bei einzelnen kalt benutzten heiligen Quellen Englands sahen wir, allerdings nur wo Ärzte berichten, einen kurgemäßen Gebrauch (s. 10a).

In den Tiroler Bauernbädern ist die Unterscheidung der Wasser in Augen-, Magen-, Glieder- und auch Herzwasser zu hohen Ehren gelangt und wird unter den verschiedenen Brunnen einer Badeörtlichkeit fast allgemein anerkannt. In einer Anempfehlung des Bades Ramswald (1203 m), über Ehrenburg im Pustertal gelegen, liest man, dass 5 Brunnen nebeneinander fließen. Eine Augenquelle hilft gegen Schwäche des Sehvermögens, eine Eisenquelle hilft blutarmen Leuten, die 3. ist die Magenquelle, die 4. eine Schwefelquelle gegen Rheuma, die 5. eine Schwefelquelle gegen Hämorrhoidalleiden. (Vermutlich enthalten alle das gleiche Brunnenwasser.) Dem 'Geist des Wassers' schenken die bäuerlichen Sommerfrischler ihr ganzes Vertrauen274). In den Bauernbädern des Schwarzwalds wachte man eifrig darüber, dass ihre Heilkraft auch anerkannt wurde275).


Badebetrieb in dem 'Dorf Hornhausen sampt den darin entspringenden Heilbronnen'.
Kupferstich von V. Wagner 1646.

Zuweilen kamen Brunnen mit und noch mehr ohne mineralische Bestandteile plötzlich und meist nur für kurze Zeit in den Ruf, Heilwunder zu bewirken, so der 'gute Brunnen' bei Treis a. d. Lumde Ende des 18. und in den 30er Jahren des 19. Jhs., der gewöhnliches Wasser enthielt276). Namentlich im 17. Jh. entstanden solche Wunderbrunnen, so die zu Hornhausen, 3 im Amt Stolzenau bei Müslering, die beim Dorf Lose und beim Kloster Lüne im Lüneburgischen, beim Dorf Nordhausen im Amt Kassel, zu Rastenberg bei Weimar277), zu Bielefeld278), zu Weihenzell bei Ansbach, zu Ham, die zu Walkertshofen (1551) und zu Burgbernheim in Bayern279), der zu Gontenschwyl im Aargau280). Hornhausen hatte das Schicksal, wie der Balneologe Zückert sagt, 3 mal besucht und gelobt und 3mal vergessen und verachtet zu werden281). Auch das heutige Bad Pyrmont begann seinen Ruf 1556 als Wunderbrunnen. »Vnnd ist yetz ein so grosses zulauffen dahin von allen orten vnnd enden, von den armen krüppeln, lamen, tauben, blinden, vnd besessenen menschen, ja auch was sie für kranckheiten haben das man nicht herberg noch behausung gnvg mag haben, sondern machen alda vff dem feld hütten, gleich wie in einem läger«, sagt Dr. Metobius282). Die Abbildungen zeigen, dass man im Freien unter Zelten und Hütten badete und das Wasser in Kesseln über dem offenen Feuer erwärmte283).

Das Heilwasser musste als Gabe Gottes den Benutzern ohne Entgelt überlassen werden, in späterer Zeit wenigstens den Armen. »Es mögen zu diesem Brunnen kommen vngehindert, Adel oder vnadel, Reich oder Arm«, sagt Feurbergk (Pyrmontanus) 1597 von Pyrmont, »gratis datur gratis accipitur«284), wobei Koehne darauf aufmerksam macht, dass letztere Stelle Matthäus 10, 8 steht285).

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'Der Platz in den großen Bädern zu Baden' in der Schweiz mit den angrenzenden Wirtshäusern. In der Mitte das Badebecken.

In Baden in der Schweiz bezog das Freibad mit mehreren Wirtshäusern zusammen sein Wasser aus einer Quelle. Es wurde ängstlich darauf gesehen, dass zuerst die Armen genügend mit Wasser versorgt wurden, so noch 1641. In Baden-Baden beschwerten sich die Einwohner 1488 beim Markgrafen Christoph, als der Bader von den Armen Geld genommen hatte, mit Erfolg. Das hatte einen abergläubischen Grund. Dem Fabricius Hildanus erzählten 1610 die Einwohner von Pfäffers, ein Abt habe das Bad mit Abgaben belegt, da sei der Brunnen verschwunden, bis der Zoll aufgehoben wurde. Ähnliches berichtet Wagner von Gontenschwyl bei Reinach im Aargau. Dort wurde 1640 eine Quelle entdeckt, die bei massenhaftem Zulauf viele Wunderkuren vollbrachte. Aber schon im folgenden Jahre hatte der Brunnen seine seltsame Heilkraft vollständig verloren, weil die Bauern aus Habgier das Wasser verkauften286). Auch von Carlsbad »ist vor etlichen Jaren ein Geschrey in viel Lender kommen, als solte das Wasser wegen der Inwohner Geitz aussen blieben sein«, wie Fabian Sommer im 16. Jh. berichtet, nachdem der Sprudel aber nur aufgehört, weil das Wasser an einem anderen Ort sich gesammelt und aufgesprungen war287). Metobius erzählt 1556, der Pyrmonter Brunnen habe 300 Jahre vorher große Krankheiten geheilt, als aber der Herr der Herrschaft Zins erheischte, versiegte der Brunnen288). Dem Brunnen sollte aber nicht göttliche Ehre erwiesen und er nicht zu einem Abgott gemacht werden wie es im 1. Artikel der 1556 an einem Lindenbaum aufgehängten Badeordnung am (Wunder-) Brunnen von Pyrmont heißt289). Die Badeordnung des Glotterbades im Schwarzwald bestimmte: »Item es sollen auch die Bäder (Badden), noch Fremde, so die Bäder besuchen, dem Bad nit Wasser sagen, bey Straff eines Fueder Weins mit zweyen Reiffen (= 1 Maß Wein) gepunden«290), und die von Baden bei Wien 1679, wer das heilsame Bad gemeinhin 'Wasser' nenne, zahle 24 Pfund291) (1 Pfund Strafgeld = 1 Pfennig)292), wobei zu beachten ist, dass es sich um halbscherzhafte Strafen des Badgerichts handelt, bei dem die Badgesellen eine mit eigenen Ausdrücken gespickte Sprache (ähnlich der der Jäger und Studenten) führten293).

Verhöhnung des Heilbrunnens zog Strafe nach sich. Als 3 Landsknechte 1556 die Kraft und Wirkung des Pyrmonter Wassers verlachten, wurden 2 wahnsinnig und der 3. vom Teufel besessen wegen Verachtung der Gaben Gottes294), und als ein Jahr darauf der große Zulauf zum selben Brunnen aufhörte, vermutete man ein göttliches Strafgericht, das dem Wasser seine Kraft nehmen ließ, weil der gemeine Haufe öffentlich Sünde, Schande und Hurerei bei dem Brunnen getrieben und vornehme Weibspersonen den Brunnen beschuldigt hatten, durch ihn wassersüchtig geworden zu sein, welche Bosheit aber Gott durch die Geburt schöner Knäblein zuschanden machte295).

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Titelholzschnitt zu Metobius' Schrift über Pyrmont, 1556.

Das Heilwasser duldete nichts Unreines. Nach Leucippaeus (1598) kamen im württembergischen Wildbad beim gemeinsamen Bad keine Ansteckungen vor, »dieweil des wassers natur nichts vnreines annimmt«296). Von Pfäffers heißt es 1610, es verletze die, welche mit Franzosen (Syphilis) behaftet seien, weil die hohe und heilige Arznei solche unreine und wüste Krankheit nicht annehme. Nach Thurneisser (1572) sollten sich vor Pfäfers auch die Goldschmiede hüten, die viel vergoldet hatten, die schwämen empor darin. Er kannte einen aus Lindau, der viel vergoldet und deshalb viel Quecksilber an sich gezogen hatte. Als dieser nun, mit dem Podagra beschwert, nach Pfäffers kam, konnte er nicht unter Wasser bleiben und musste ungebadet wieder heimziehen, weil das Wasser kein Quecksilber litt297).

Einzelne Bäder hatten die Eigenschaft, nur zu bessern, bzw. zu heilen oder zu verschlechtern, ja zu töten. Paracelsus sagt von Plombières, einem von Deutschen viel besuchten Bade in Frankreich unter württembergischer Herrschaft, es habe einen unangenehmen Anhang: was zum Guten auf der Bahn sei, fördere es, aber auch das Böse, so zum Bösen geschickt sei298). Vom Liebenzeller Bad schreibt Foltz (um 1480): wer mit Gelbsucht und gleichzeitig mit Schwindsucht behaftet ist und in 14 Tagen nicht gesund wird, muss sterben, und von der Leuker Therme: dass der Aussätzige beizeiten mag Heilung erwerben; badet er zu lange, so muss er drin sterben299). Von Pyrmont schreibt Metobius 1556: »der brunn ist auch der art wann ein krancker dahin geradt, vnd jn das wasser nit dolen will so wirffts jn auß, oder tödtet jn gar, bey dem villeicht ein kranckheit hat gar überhand genommen, welches doch selten geschicht«300). Pfäfers warf 1663 zwei Wassersüchtige aus, ein dritter badete weiter und starb301). Als Herzog Christoph von Württemberg 1545 in Wildbad badete und anscheinend ein Schlemmerleben führte, warnte ihn sein Vater Herzog Ulrich, sich in Hinsicht des Bades wohl vorzusehen, »sonst erwürgts dich, ehe du dichs versiehst«302). Aus all diesem klingt heraus, dass das Bad immer heilt und nur die Menschen an einem unglücklichen Ausgang der Badekur Schuld trugen, die entweder nicht kurgemäß lebten oder noch häufiger die Warnung des Bades (das Auswerfen oder dass die Krankheit in bestimmter Zeit nicht geheilt war) unbeachtet ließen.

Anschließend sei das Bad im Stein Aptor erwähnt (Wigamur). »Vnd in dem selben stain badet kain man Der falschen muet ye gewan, Er wurde kranck, plaich, missefar Vnd des leybs vnkrefftig gar. Wer aber jn das pad gye, Der raine tugent mynnet ye, Von des staines macht und türe Vnd von des prunnen natüre, So er in dem pad gesaß, Aller swere er vergaß, Sein leyb ward ring, sein hercz fro, Sein kraft starck sein gemüt hoh, Der synnen ward er weiße, Sein leyb stund gar nach preiße; Suß lebt er ain manat Das jm kainerlay schlacht not Von freuden geschaiden mocht«303).

Im Karlbad am Fuße des Königsstuhls in Kärnten (1700 m hoch gelegen) erhitzt man das Bad dadurch, dass man glühend gemachte Steine in die Badewanne (einen ausgehöhlten Baumstamm) wirft. Nicht im Wasser liegt dem Volksglauben nach die Kraft, sondern in den Steinen, womit es erwärmt ist, die im Bach sorgfältig ausgewählt werden. Nur Grauwacke ist das richtige Gestein304).

In den Tiroler Bauernbädern muss das Wasser ordentlich gekocht sein. Über das 'Badsieden' liegen 2 Berichte vor. Dr. Holer, Arzt in Reutte, schreibt 1823 in einer über das angebliche Schwefelbad Schattwald (Bezirkshauptmannschaft Reutte) verfassten Badeschrift: »Jetzt (nach zweistündiger Kochung) jubelt und jauchzt das Volk: nun hat das Wasser erst volle Kraft, Macht und Herrlichkeit.« »Kocht das Wasser nicht wenigstens durch vier Stunden, so hilft es nicht«, glaubten damals die Leute, wie Dr. Philipp Wassermann (Das Bad Ratzes, 1823) berichtet305).

In Pfäffers tauchten nicht nur die Bauern, die an Walpurgis badeten, ihre Hemden am Schluss in das (nicht Mineralien enthaltende) Badewasser und zogen sie so an, in der Meinung »einer mit sich hinweg tragenden großen gesunden Krafft«, sondern auch Vornehme und Edle netzten ihre Hemden und Leilacher (Badetücher) bei ihrem Weggang mit Badewasser ein, die sie also getrocknet mit nach Hause nahmen und später gebrauchten306).

Auffallend ist, dass man mit wenigen Ausnahmen bis in neuere Zeit die (kalten) Sauerbrunnen zum Bad nicht benutzte, man trank sie. 1641 sagt Sebitz ausdrücklich vom 24stündigen Bad am Johannistag, dass es nicht im Sauerbrunnen, sondern im Sulzbade (im Unterelsaß) genommen und Salzwasser in Unmaß getrunken werde307). In Afrika benutzt man kalte Quellen überhaupt nicht zum Bad308). Von den Indianern sagt von Öfele, dass sie die »auffälligen Säuerlinge« wenig beachteten309). Vielleicht hielt bei uns das mächtige Aufbrausen des Wassers durch Entweichen der Kohlensäure beim Einwerfen der heißen Steine vom Gebrauch zum Bad ab, hatten doch schon die höher temperierten Schwefelthermen etwas Unheimliches an sich. Als Pipin vor der Erbauung der Badehäuser in Aachen zum Bade ging, wirbelte, nach dem Mönch von St. Gallen, plötzlich der Dampf auf und trübte sich das Wasser, was er als einen Angriff des Teufels deutete, den er mit dem Zeichen des Kreuzes und dem Schwerte abwehrte, das dabei tief in den Boden fuhr310). Als 1374 in Aachen die Tanzkrankheit wütete, tauchte, nach dem Bericht eines gleichzeitigen Niederländers, der Priester Simon ein Mädchen, dessen Teufel keiner anderen Beschwörung weichen wollte, bis an den Mund in Weihwasser und mit Erfolg. Da einige Tage nachher in dem Karlsbade (wo er ebenfalls nicht hausen sollte) mehrere Menschen ertranken, glaubte man, das habe dieser Teufel bewirkt und schloß das Bad 'für immer'311).

273) Martin Das deutsche Heilbadewesen. S.A. Balneologische Zeitung 1912.
274) ZAlpV. 20 (1889), 194.
275) Meyer Baden 568.
276) Z. d. Ver. f. hess. Gesch. 7 (1858), 206.
277) Martin 295 ff.
278) Ebd. 257.
279) Martin 295 ff.
280) Ebd. 333.
281) Martin 295 ff.
282) Ebd. 286 ff.
283) Ebd. Abbad 105. 124. 126. 127.
284) Ebd. 330.
285) Carl Koehne Kurortwesen u. Kurtaxe in geschichtl. Entwicklung (Berlin 1912), 19.
286) Ebd. 330.
287) Martin 405.
288) Ebd. 330.
289) Ebd. 293.
290) Ebd. 343.
291) Mitteilungen d. histor. Vereines für Steiermark 33. Heft (1885), 87.
292) Ebd. 343.
293) Martin 380 ff.
294) Ebd. 289.
295) Ebd. 293.
296) Ebd. 269.
297) Ebd. 331.
298) Ebd. 294.
299) Ebd. 201.
300) Ebd. 290.
301) Ebd. 332.
302) Ebd. 302.
303) Ebd. 225 f.
304) ZAlpV. 20 (1889), 210.
305) Nevinny Das Badewesen Tirols 32 f. S.A. Innsbrucker Nachrichten (1905). 306) Martin 15.
307) Ebd. 21 f.
308) Zeitschr. f. Balneologie 2 (1909–10), 47 ff.
309) Mitteilungen z. Gesch. d. Mediz. 13 (1914), 344.
310) Martin 230.
311) ZfVk. (1914) 229 f.

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12. Das Bad der Gebärmutter

Eine besondere Stellung nimmt das Bad in der Heilung von Unterleibsleiden der Frauen ein, aus der Vorstellung heraus, dass die Gebärmutter eine Kröte ist. Nach Beispielen aus Tirol (Zill) und der Oberpfalz (Sulzbach) wandert die Bermutter, auch mit den daran hängenden Mutterbändern, wenn die Frau oder das Mädchen schlafend beim Weiher oder Bach im Grase liegt, zum Munde heraus, badet im Wasser und geht den gleichen Weg zurück. Dann ist das Unterleibsleiden gehoben. In Oberbayern (Tandern bei Aichbach) wird vorgeschlagen, den offenen Mund über eine Schüssel mit warmem Wasser zu halten, worauf die Bermutter das Gleiche tut. In Tirol und der Oberpfalz wandert sie auch aus dem Munde im Grase schlafender Männer, badet und kehrt zurück, wobei von Krankheit und demnach Krankheitsheilung nicht die Rede sein kann312).

312) Panzer Beitrag 2, 195 f.

Alfred Martin über das Bad und baden im Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, Bd. 3, Berlin 1927-1942.

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Wasser ist mehr als H2O

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