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Die Wassernixe
Ein Brüderchen und ein Schwesterchen spielten an einem Brunnen, und wie sie so spielten, plumpsten sie beide hinein. Da war unten eine Wassernixe, die sprach: „Jetzt hab ich euch, jetzt sollt ihr mir brav arbeiten“, und führte sie mit sich fort. Dem Mädchen gab sie verwirrten garstigen Flachs zu spinnen und es musste Wasser in ein hohles Fass schleppen, der Junge aber sollte einen Baum mit einer stumpfen Axt hauen; und nichts zu essen bekamen sie als steinharte Klöße. Da wurden zuletzt die Kinder so ungeduldig, dass sie warteten, bis eines Sonntags die Nixe in der Kirche war, da entflohen sie. Und als die Kirche vorbei war, sah die Nixe, dass die Vögel ausgeflogen waren und setzte ihnen mit großen Sprüngen nach. Die Kinder erblickten sie aber von Weitem und das Mädchen warf eine Bürste hinter sich, das gab einen großen Bürstenberg mit tausend und tausend Stacheln, über den die Nixe mit großer Müh klettern musste; endlich aber kam sie doch hinüber. Wie das die Kinder sahen, warf der Knabe einen Kamm hinter sich, das gab einen großen Kammberg mit tausendmal tausend Zinken, aber die Nixe wusste sich daran festzuhalten und kam zuletzt doch drüber. Da warf das Mädchen einen Spiegel hinterwärts, welches einen Spiegelberg gab, der war so glatt, so glatt, dass sie unmöglich drüberkonnte. Da dachte sie: „Ich will geschwind nach Haus gehen und meine Axt holen und den Spiegelberg entzweihauen.“ Bis sie aber wiederkam und das Glas aufgehauen hatte, waren die Kinder längst weit entflohen und die Wassernixe musste sich wieder in ihren Brunnen trollen. Anmerkung der Autoren: Aus dem Hanauischen. Es ist die Verfolgung der Kinder von der Hexe, wie im Märchen vom Liebsten Roland (KHM Nr. 56): Zugleich ist sie die Frau Holle, aber die Böse, die den verwirrten Flachs spinnen lässt und statt der Speise Steine zu essen gibt. Über das Ganze vergleiche J. Grimm „Irmenstraße“. Brüder Grimm, Kinder und Hausmärchen, Berlin 1857 |
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| Wasser ist märchenhaft.
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