In Gegenwart der Eltern befragt eine junge Bretonin
am Brunnen der Ste. Barbe das Heiratsorakel.
Fotografie um 1900.

Fontaine Ste. Barbe bei Le Faouet

Der Brunnen der Ste. Barbe war in alten Zeiten allen Mädchen in der Bretagne bekannt. Heute ist er bei Touristen ein beliebtes Ziel. Wie viele Brunnen in dieser Region, wurde auch dieser für das Heiratsorakel benutzt. Man beobachtete in der Regel, wie sich zum Beispiel Nadeln im Brunnenwasser verhielten und zog seine Schlüsse daraus. Meist sollte die Nadel bestimmte Eigenschaften besitzen. Eine der häufigsten Vorgaben war, dass sie sich mithilfe der Oberflächenspannung möglichst lange an der Wasseroberfläche hielt. Dies ließ sich beeinflussen, indem man das Metall mit Körperfett einrieb. Im Brunnen der heiligen Barbara musst die Nadel in einen schmalen Spalt oder Schlitz am Brunnengrund sinken. Das Orakel sagt dann voraus, dass noch genau so viele Jahre bis zur Heirat des Mädchens vergehen werden, wie Versuche notwendig waren, um die Nadel in den Schlitz sinken zu lassen. Es lässt sich leicht nachvollziehen, dass es sich bei diesem Brauch um ein symbolisches Entjungferungsritual handelt.

Das Christentum zeigt massiv Präsenz an dieser Quelle. Ste. Barbe gilt auch als Schutzherrin der von Donner und Blitz Heimgesuchten. Damit die Heilige ihre Pilger auch (er)hört, müssen diese die Glocke auf dem nahe gelegenen Hügel läuten.

Den Bau der Kapelle in der Nähe der Quelle soll eine Legende erklären. Sie erzählt von einem Edelmann, der während der Jagd von einem fürchterlichen Gewitter überrascht wurde. Aus Furcht in dem Unwetter umzukommen, legte er das Gelübde ab, er würde hier eine Kapelle errichten, wenn ihn der Blitzschlag verschont.

Auf einem steilen Felsen nahe der Kapelle wurde ein Oratorium errichtet. Wie so oft, wenn sich ein solches bei einem alten heiligen Ort auf einem Berg befindet, ist es dem Satansbezwinger St. Michael geweiht. Auch hier ist das Heiraten Ziel der Handlung. Wenn ein Mann noch vor dem nächsten Osterfest verheiraten sein möchte, muss er sich auf schmalem Grad an Ringen über dem Abgrund um den Bau herumhangeln. kk

Verw. Literatur:
Marie-Louise Plessen und Daniel Spörri, Heilrituale an bretonischen Quellen, Oldenburg o.D.
Paul-Yves Sebillot, Le Folklore de la Bretagne, Paris 1968

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Der Brunnen der Ste Barbe.

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