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Der Brunnen des heiligen Cornely um 1910. |
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Der heilige Brunnen des St. Cornely Wie die scheinbar unendlichen Steinalleen von Carnac belegen, muss es sich bei diesem Ort vor rund 3000 Jahren um ein mächtiges geistiges und kulturelles Zentrum eines uns heute unbekannten Volkes gehandelt haben. Ursprünglich waren hier mehr als dreitausend Menhire nach kosmischen Gesetzen aufgerichtet worden. Bis heute rätselt man darüber, wie die damaligen Menschen die bis zu vier Meter großen Steine aus Granit bearbeiten konnten und wie sie die Steine transportierten. Die megalithische Anlage hatte ursprünglich ein Ausmaß von acht Kilometern Länge. Noch heute sind Steinreihen von über drei Kilometer Länge erkennbar. Unbestritten ist, dass die folgenden Kelten die alte Megalithkultur nicht vernichteten, sondern diese lediglich mit ihrer Naturreligion überlagert haben. Die Kelten verehrten den Gott Cernunos, dessen Name auf 'Cerf' (= Hirsch) zurückgeht. Von diesem keltischen Gott lassen sich der Name des St. Cornely und die besondere Verehrung für das gesamte Hornvieh ableiten, dessen eigentlicher Patron hier später St. Herbort wurde. Cornely sucht man dagegen im bretonischen Heiligenkalender vergeblich. |
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![]() Rinder beim Fest des St Cornely. |
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Viele bretonische Sagen nehmen Bezug auf die Entscheidungsschlacht im Jahr 58 v. Chr. zwischen der keltischen und römischen Flotte unter Julius Cäsar im Golf von Morbihan. Obwohl die Kelten die besseren Segler waren, unterlagen sie den römischen Ruderschiffen, da der zum Segeln notwendige Wind ausblieb. Die Bretagne wurde daraufhin von römischen Truppen besetzt. Die Legende wollte sich mit dieser Niederlage jedoch nicht immer abfinden und gestaltete die militärische Niederlage oftmals keltenfreundlich um. Sie erzählt: Als St. Cornely einst Papst in Rom war, verfolgten ihn heidnische Soldaten. Er war mit zwei Rindern unterwegs, die sein Gepäck und auch ihn selbst trugen, wenn er müde wurde. Eines Abends erreichte er ein Dorf, in dem er rasten wollte. Doch als er hörte, wie ein Mädchen seine Mutter beleidigte, setzte er seinen Weg fort. Er gelangte zu einem weiteren Dorf am Fuß eines großen Gebirges. Vor ihm lag das Meer, hinter ihm hatten sich die Soldaten gegen ihn in Schlachtordnung aufgestellt und bedrängten ihn. Da wandte er sich zu den Römern um und verwandelte die Soldaten in Steine. Diese versteinerten Soldaten sollen die heutigen Alignements (Steinreihen) von Carnac sein. Der Legende nach dauerte es nicht lange, da kamen Pilger aus allen Ländern, um von St. Cornely die Heilung ihrer kranken Rinder zu erbitten. Und dieser half ihnen allen in Erinnerung an die eigenen Tiere, die ihm während seiner Flucht nach Carnac so große Dienste erwiesen hatten (Le Rouzic). |
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![]() St. Cornely mit seinen zwei Rindern über der Kirchenpforte. |
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| Eine andere Variante dieser Legende erzählt, wie St. Cornely mit einem Rinderkarren in der Welt umherreiste, um den Heiden zu predigen. Deshalb wollten die heidnischen Soldaten ihn töten. St. Cornely erreichte Carnac, versteckte sich im Ohr eines seiner Rinder und verwandelte die heidnischen Soldaten in Steine. Natürlich waren alle diese Legenden geeignet, St. Cornely ins rechte Licht zu rücken. Zugleich boten sie eine Erklärung für das Vorhandensein der alten vorchristlichen Kultanlagen und verschleierten deren heidnischen Ursprung. | ||||||||||
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![]() Pilger am Brunnen. Um 1890. |
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Das Heiligenfest des St. Cornely findet jedes Jahr am zweiten Sonntag im September statt. Es gilt als eines der größten Heiligenfeste der Region. Nachdem sich die Gläubigen an diesem Tag in der Kirche vor den Reliquien des Heiligen niedergekniet hatten, wandelten sie zum Brunnen und umkreisten diesen. Bettler und Kinder, die den Pilgern von der Kirche aus folgten, um ihnen an der Quelle gegen ein Almosen in einem Behältnis Wasser anzureichen, stritten sich bereits auf dem Weg um ihre Kunden. Am Brunnen tauchten die Pilger ihre Hände in die dargebotenen Gefäße, wuschen sich Gesicht und Hände und reckten die Arme zum Himmel empor, damit das Wasser an ihren Armen herunter- und den Körper herablief. Die Bauern führten an diesem Festtag ihr mit bunten Bändern geschmücktes Vieh, nach Dörfern zu Gruppen geordnet, zur Wallfahrt. Die Tiere wurden zunächst um die Kirche und anschließend zum Brunnen geführt. Dort wurden die Tiere reichlich mit Brunnenwasser bespritzt und ihnen Wasser über den Kopf gegossen. |
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![]() Bettler und Pilger auf dem Brunnenplatz am Pardon. |
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Jaques Duchemin schreibt in seinem Buch 'Les pardons Bretons du temps passé' über das Fest: "Der Pardon des St. Cornely, der Patron des Hornviehs, fand am 8. September in Carnac statt. Das Fest dauerte insgesamt acht Tage. Die Bauern aus der Umgegend zogen, mit einem Sanddistel-Strauß an ihren Hüten, um die Kirche und knieten vor der Heiligenstatue nieder, die das Kirchenportal beherrschte. Anschließend gingen sie zu dem Brunnen, wuschen sich und schöpften von dem Brunnenwasser in kleine Flaschen, die sie mit nach Hause nahmen. Nachdem sie dann die Reliquien des Heiligen geküsst hatten, lieferten sie ihre Opfergaben bei der Kirche ab. Hier konnten sie geweihte Kordeln erhalten, mit denen sie ihr Vieh im Stall festbinden konnten. |
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![]() Segnung der Rinder vor dem Kirchenportal. |
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Nach dem Hochamt begab sich der Klerus auf den kleinen Brunnenplatz vor der Kirche, wo man das 'Vieh des hl. Cornely' aufgestellt hatte. Dies waren die Tiere, die die Bauern dem Heiligen ganz oder teilweise geopfert hatten. Das Vieh wurde gesegnet und anschließend zugunsten des Kirchenschatzes verkauft. Nicht selten kaufte der Spender selbst sein eigenes Tier zurück, das er dann als Glücksbringer in seinem Stall aufstellte. Während der achttägigen Feier hielten sich aus der Umgegend ganze Herden in Carnac auf. Man zog mit den Tieren zunächst um die Kirche, dann knieten die Hirten vor dem Glockenturm nieder und beteten. Anschließend gingen sie mit ihren Tieren zum Brunnen, wo man die ganze Herde mit Brunnenwasser bespritzte." Viele Menschen opferten dem Heiligen auch Getreide, das ebenfalls versteigert wurde. Zum Dank für seine Hilfe opferte man dem Heiligen ein Büschel Haare, das man den Tieren aus dem Schwanz riss. Dies sollte den Tieren für das kommende Jahr Schutz gewähren. Die Leute waren davon überzeugt, dass die Tiere auch alleine auf die Wallfahrt gingen, würde man sie nicht mit zum Brunnen des Cornely nehmen. |
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![]() Unweit der Kirche von Carnac befindet sich der Brunnenplatz mit der Fontaine de Saint Cornely. Die heute nur noch recht spärlich fließende Quelle befindet sich in einem etwa 1 m vertieften und ummauerten Karree. An allen vier Seiten führt eine Steintreppe zum Brunnentempel hinab. |
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| Die Legende erzählt, dass jeder Pilger früher einen Stein nach Carnac mitbrachte, den er am Ortsrand niederlegte. Daraus sei der berühmte Tumulus St. Michel entstanden - ein 117 m langer, 59 m breiter und etwa zwölf Metern hoher Hügel, der exakt in Ost-West-Richtung ausgerichtet ist. Tatsächlich soll es sich bei diesem gewaltigen Steinhaufen um die Reste einer über 6.000 Jahre alten Stufenpyramide handeln, in der ein mächtiger König oder Fürst beigesetzt wurde. Der Tote soll in einem labyrintartig gebauten Kammersystem mit reichen Grabbeigaben aus Bronzegegenständen, Elfenbein, Perlen, Jadeit und mit geschliffenen Kultbeilen begraben worden sein. Oben auf der geglätteten Plattform der Pyramide wurde 1664 als Symbol der Christianisierung eine Kapelle errichtet und dem hl. Michael geweiht, dem Drachentöter und Bezwinger der heidnischen Religion. Die Michaelskapelle ist nur am 1. September geöffnet, wenn die Messe darin zelebriert wird. Zuvor kommen jedoch Carnacs Fischerfrauen hier mit Besen zusammen, um den Kapellenboden mit tänzerischen Schritten übertrieben gründlich auszufegen. Der Staub wird hierbei exakt in jene Richtung gefegt, aus der die Fischer für sich günstige Winde erhoffen. Dieser Besentanz ist das Relik des vorchristlichen Besenzaubers der Hexen auf dem Tanzplatz. Gleiches zelebrierten die sogenannten Hexen oder Priesterinnen der Vorzeit, des Altertums und auch noch im Mittelalter, um Wind und Regen zu beschwören, damit sie den Feldern Fruchtbarkeit bringen. | ||||||||||
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![]() Beim Fest des hl. Cornely, des Beschützers des Hornviehs, zu Beginn des 20. Jh. Im Hintergrund der Tumulus mit der Michaelskapelle. |
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Neben dem Brunnen des heiligen Cornely findet man in der nächsten Umgebung Carnacs wenigstens zwölf weitere Brunnen, die Heiligen geweiht sind und in deren Nähe ebenfalls Kapellen standen. Auch das Wasser dieser Brunnen war für besondere Gebrechen gut: So linderte das Brunnenwasser der Ste Brigitte zum Beispiel Zahnschmerzen und half kleinen Kindern beim Laufenlernen; St. Michel beim Tumulus sorgte für Seefahrer und Reisende für guten Wind; das Wasser des Ste-Madeleine-Brunnens linderte das Fieber; St. Aubin half mit seinem Wasser gegen Augenschmerzen; St. Antoine war gut gegen Schweinekrankheiten; Ste Barbe schützt gegen Brandgefahr und der Brunnen des St. Colomban sollte den Geistesschwachen helfen. Für diese befindet sich in der Kirche ein besonderes Loch, das sogenannte 'Geistesloch', in das die Dummen ihren Kopf stecken müssen, damit ihnen geholfen werden kann. Neben diesen 'heiligen Quellen' wurden nach dem Volksglauben alle Hofbrunnen, Brückenübergänge, Sumpflöcher und Bäche von den wiederkehrenden Seelen der Verstorbenen heimgesucht. Ein besonderes Brunnenritual diente dem Butterdiebstahl. Der Butterdieb (laer amenen) musste in der ersten Stunde des ersten Mai einen blühenden Weißdornzweig am Dorfbrunnen niederlegen. Anschließend hatte er unter dem Murmeln magischer Sprüche mit einem Dolch umherzugehen. Dabei durfte der Dieb keinesfalls von dem Bauern entdeckt werden, den er schädigen wollte. Dann riss der Butterdieb verschiedene Gräser samt Wurzel aus und mischte sie unter das Gras seiner eigenen Wiese. Das fremde Vieh sollte dadurch vom Bösen getroffen werden und nur noch magere Milch geben. Das Vieh des Butterdiebes gab jedoch fette Milch. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein verging kaum ein Jahr, ohne dass solche Fälle von Schwarzer Magie vor Gericht verhandelt wurden. Die neolithischen Fundstücke, die die Bauern auf ihren Feldern aufsammelten, galten als vom Himmel gefallene Donnerkeile. In St. Philibert benutzte eine Frau eine solche Steinaxt, um Kühen die Milch wiederzugeben. Sie kochte Wasser zusammen mit dem Stein und verkaufte dieses für 50 Cents den Liter. Über ein weiteres Ritual mit einer neolithischen Steinaxt referierte der Archäologe Aveneau de la Garanciere 1899 bei einem Kongress der Association Bretonne in Guerande: "Mitte November 1830 sandte der 85jährige Mathô-Tagen, der bereits seit zehn Jahren bettlägerig war, seine Tochter von Poulharff in der Gemeinde Malquenac, nach Loc-Maltro, um dort beim Küster den mel-beniguet zu holen, um seinem Leiden ein Ende zu bereiteten. Dieser Stein war etwa 42 cm lang und leicht abgerundet. Er wurde in einer Vertiefung hinter einem Kasten in der Kapelle St. Maltro verwahrt ..." Aveneau de la Garanciere beschrieb, wie die Nachbarn im Sterbezimmer zusammengekommen waren und die älteste Frau den Stein, den sie kaum tragen konnte, dem Dahinscheidenden mit einem gemurmelten Gebet behutsam auf die Stirn legte. Hierauf sei dieser sofort friedlich eingeschlafen. Le Rouzic, der das Museum von Carnac leitete, beschreibt mehrere solcher neolithischen Steinäxte, die ähnliche Verwendung fanden, aber auch magische Steinköpfe oder Schieferkugeln. Rouzic bringt den bretonischen Brauch mit einem katholischen Ritual in Zusammenhang, bei dem heute noch jedem Papst nach seinem Tod mit einem Silberhammer drei Schläge auf den Schädel gegeben werden sollen. kk Verw. Literatur: |
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