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![]() Der Brunnen von St Nicodème um 1910. |
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Die Brunnen in Saint Nicodème bei Pontivy Gemeinsam mit St Cornely gilt der heilige Nicodème in dieser Region als der Schutzpatron des Viehs. Vor allem das Hornvieh fällt in Nicodèmes Zuständigkeit. Um die übrigen Tiere kümmert sich St Eloi, Schweine dagegen fallen in den Schutzbereich des heiligen Antoine. Dass die Handvoll Bauernhöfe, die den Ort St Nicodème bilden, eine der schönsten Kapellen der Region mit einem mächtigen, 46 m hohen Turm besitzen, verdanken sie allein der heiligen Quelle, auf der die Kirche einst errichtet wurde. Das Wasser entspringt heute neben dem Hauptportal in einem dreiteiligen Brunnenbau aus drei Brunnenröhren. Diese in einem einzigen Brunnengebäude vereinten drei Brunnen sind den drei Heiligen St Nicodème, Gamaliel und Abibon geweiht. Wenige Meter davon entfernt sprudelt der 1790 errichtete und schlichtere Brunnen des St. Cornely, der dem Vieh als geweihte Tränke dient. Wie an vielen Quellorten verschmelzen auch in St Nicodème alter keltischer Wasserkult und christlicher Glaube. Das Johannes-Evangelium berichtet über ein Gespräch zwischen Christus und Nikodemus, dem Pharisäer, in dem es um die Widerauferstehung geht: Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er auch wiederum in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden? Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir, es sei denn, dass jemand geboren wurde aus dem Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen.1.) Vergegenwärtigt man sich, dass der heilige Abibon als Sterbeheiliger gilt, der als Jünger des Joseph von Arimathia den Leichnam Christi einzuwickeln half, versteht man, dass die hier übergestülpte christliche Erklärung, welche eine Wiederauferstehung aus Wasser und Geist erklärt, dem keltischen Glauben entgegenkam und damit die Christianisierung der hier ansässigen Menschen erleichterte. Bei den drei Brunnen von St Nicodème wurden bis weit ins 19. Jahrhundert uralte Opferbräuche für Mensch und Tier zelebriert. So ist überliefert, dass sich Männer über Wochen die Barthaare wachsen ließen, um sich dann auf den Steinbänken vor den Brunnen rasieren zu lassen. Dieses Schurritual sollte Hautkrankheiten bei Männern vorbeugen. (Es wird nicht ausdrücklich erwähnt, dass es sich hierbei um Geschlechtskrankheiten handelt.) Den Sonntag vor dem Pardon nannte man in St Nicodème Topfsonntag. An diesem Tag wurden an bereitwillige Leute leere Töpfe ausgeteilt, die dann am Festtag mit Butter gefüllt wieder zurückgegeben wurden. Bereits am Vorabend des Feiertages kamen jene Bauern zu den Brunnen, die den Heiligen Ochsen, Kühe oder Kälber stiften wollten. Sie lösten mit ihren Spenden vielleicht ein erhörtes Gebet, eine geheilte Krankheit oder ein gegebenes Versprechen ein. Am Festtag selbst nahmen die Tiere unter Pfeifen- und Dudelsackmusik an der Prozession teil. Die Hörner der Tiere waren hierbei, wie in vorchristlicher Zeit die Opfertiere, mit bunten Bändern festlich geschmückt. Nach dem Umgang wurde das Vieh versteigert. Man war davon überzeugt, dass ein Tier, das einem Heiligen geweiht worden war, seinem neuen Besitzer Glück und Gesundheit in den Stall bringen würde. Die Einkünfte aus der Versteigerung wurden von der Gemeinde verwaltet und Menschen als Darlehen gegeben, die durch Brand, Krankheiten, Militärdienst, Arbeitsunfähigkeit oder ein anders Unglück in wirtschaftliche Not geraten waren. An einen alten Sonnenkult erinnert der heute noch ausgeübte Brauch, bei dem am Dankesfest ein hölzerner Engel mit einer brennenden Kerze mittels Rollvorrichtung über ein schräg von der Kirchturmspitze herab gespanntem Seil herniederschwebt. Am Boden angekommen, wird mit der Kerze ein Freudenfeuer angezündet. Danach gleitet das fromme Dankesfest in eine fröhliche ländliche Mahlzeit hinüber, zu der die Männer des Ortes kochen und die Frauen das Essen servieren. Frisch gestärkt messen anschließend die Männer aus den verschiedenen Ortschaften ihre Kräfte. Abends wird bei den Brunnen getanzt. kk 1. nach der Luther-Bibel von 1716 (Kap. 3, Vers 4+5) Verw. Literatur: |
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