Überdachte Quelle mit einer weiteren, in einem offenen Steinbecken gefassten Quelle im Hintergrund. Dort badeten die Heilsuchenden ihre schmerzenden Glieder. Foto mit freundlicher Genehmigung: plonevez

Trois Fontaines bei Gouézec, Bretagne, Cotes d'Armor

48º 8' 49.31" N 4º 0' 38.88" W

Die Kapelle der drei Brunnen liegt an der Landstraße zwischen Gouézec und Briet. Unweit der Hauptquelle, die in einem kleinen steinernen Brunnenhäuschen entspringt, sind die beiden anderen Quellen in zwei offenen, lavoirähnlichen Steinbecken gefasst. Das kleinere Wasserloch ist Johannes dem Täufer geweiht, das große den drei Marien. Mit den drei Marien sind die Jungfrau Maria, die Mutter Salome und Maria Magdalena gemeint, die im alten Gallien vielerorts an die Stelle der Matronen getreten sind. Die drei druidischen Göttinnen wurden stets sitzend dargestellt. Die Mittlere hielt ein Wickelkind auf ihren Knien, was häufig zu Verwechslungen mit einer Marienstatue Anlass gab. Es muss sich bei den drei Quellen ursprünglich wohl um ein Matronenheiligtum gehandelt haben. Die Zahl drei spielt in der Mythologie der Bretagne eine bedeutende Rolle.


Foto mit freundlicher Genehmigung: plonevez

Von den drei Brunnen ist ein ungewöhnliches Heilritual überliefert. Um seine Gliederschmerzen zu lindern, muss der Heilsuchende neun Spindeln aus gehecheltem Werg zur Quelle tragen. Die Spindeln müssen aus neun Häusern erbettelt sein, in denen jeweils eine Frau mit dem Namen Marie wohnt. An den drei Brunnen angekommen, muss der Pilger sein erkranktes Körperteil in eines der Becken eintauchen.

Die Zahl Neun (= 3 x 3) taucht auch immer wieder in einer Erzählung auf, die Marie-Louise Plessen und Daniel Spoerri von Jeanne le Prat, der Wärterin der Kapelle, bei ihrem Besuch an der Quelle erfahren haben. Anatole Le Braz hat die Geschichte 1892 in seinem Buch 'Todeslegenden der Bretagne' erwähnt. Die Madonna, von der die Erzählung berichtet, gleicht jedoch weniger der christlichen Muttergottes, als einem archaischen Urmuttertypus alter Mythen: Eines Tages kam ein Mann mit einem Korb an der Chapelle des Trois Fontaines vorbei. Gerade hatte er seine Last auf einem Stein abgesetzt, um ein wenig zu verschnaufen, da erschien eine Fee und fragte ihn, was er da mit sich trage. "Neun Ferkel, um sie auf dem Markt zu verkaufen", gab er zur Antwort. Doch die Fee wusste, dass es sich nicht um junge Schweine, sondern um neun kleine Babys handelte. Es waren neun Brüder, die alle in der Nacht zuvor geboren worden waren und die der unglückliche Vater, da er sie nicht ernähren konnte, ertränken wollte. Da bot die Fee ihm ihre Hilfe an, sofern er die Kinder am Leben lasse und statt sie zu ertränken, taufen lassen würde. Damit war der Mann einverstanden.

Als er wieder sein Haus erreichte, entdeckte er voller Erstaunen, dass alle Scheunen und Vorratskammern prall gefüllt waren.


Madonna mit dem Kind an der Rückwand des Hauptbrunnens. Foto mit freundlicher Genehmigung: plonevez

Die Hauptquelle mit der Chapelle des Trois Fontaines aus dem 16. Jh. im Hintergrund. Foto Ende 19. Jh.

An der Fontaine Sacrée de Notre Dame um 1900.

Als die Taufe der Kinder anstand und der Mann wieder zur Chapelle des Trois Fontaines kam, sah er plötzlich, dass sich die Madonnenstatue auf ihn zu bewegte. Er erkannte in ihr die Fee wieder, die er am Brunnen getroffen hatte. Um sie herum fielen viele Goldstücke zu Boden, doch wenn man sie aufsammelte, verwandelten sie sich in wertlosen Staub. Und auch die Kinder starben eins nach dem andern, sobald ihnen das geweihte Taufwasser über die Stirn rann. Als der Vater wieder zu Hause ankam, war auch von dem auf so wundersame Weise eingebrachten Erntesegen nur noch Staub übrig geblieben.- Soweit die Legende.

Man erzählt sich in der Region, dass der Weg von Briec nach Manac'hti (Haus der Mönche) Kloster, einst mit Gold gepflastert war - ein Hinweis der auf früher hier deponierte keltische Opfergaben hinweisen könnte.

klaus kramer

Verwendete Literatur:
Anatole Le Braz, Todeslegenden der Bretagne, deutsch von Clas Myrddin, 2003
Marie-Louise Plessen und Daniel Spörri, Heilrituale an bretonischen Quellen, Oldenburg o.D. Paul-Yves Sebillot, Le Folklore de la Bretagne, Paris 1968

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Calvarie der Chapelle des Trois Fontaines.

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