Der Mann aus Jührdenerfeld (auch Moorleiche von Bockhornerfeld) wurde im November 1934 in Jührdenerfeld beim Ausheben eines Entwässerungsgrabens im Hochmoor entdeckt. Über ihn waren drei dicke angespitzte, bis zu 160 cm lange Holzpfähle gelegt worden. Die Inszenierung befindet sich im Landesmuseum für Natur und Mensch in Oldenburg

Moorleichen und andere vorgeschichtliche Gewässerfunde

Allen indogermanischen Völkern ist die kultische Verehrung von Quellen, Flüssen und Seen gemeinsam. So war die Verehrung von Quellen und Gewässern auch für die Völker nördlich der Alpen ein zentrales Element ihres Glaubens. Auch hier wurde dem auf geheimnisvolle Weise aus dem Boden tretenden Wasser, besonders den warmen und eilkräftigen Quellen göttliche Kräfte zugesprochen. Wie die Griechen und Römer opferte man auch hier an Quellen und Gewässern und bekränzte sie an bestimmten Tagen mit Blumengirlanden.

Bei den ältesten Gewässerfunden handelt es sich besonders um Opferdepots in den flachen Uferbereichen von Teichen und Seen, die sich unter Luftabschluss länger erhalten haben. Das früheste bekannte Opferdepot im Uferbereich eines Gewässers wurde 1911 im Ufersediment eines mittlerweile verlandeten Sees bei Torralba in der Spanischen Provinz Soria gefunden. Es handelte sich um zahlreiche von Hand bearbeitete Steinwerkzeuge aus der Altsteinzeit, also vor 600.000 - 10.000 Jahren, sowie eine Unzahl mittlerweile versteinerte Tierknochen und Stoßzähne von Altelefanten. Besonders die komplett niedergelegten Elefantenschädel, lassen die Forscher glauben, dass es sich um rituelle Opfergaben handelte, mit denen man die Naturgottheiten um Jagdglück und um Fruchtbarkeit des Jagdwildes bat.

Um gesicherte Gewässeropfer handelt es sich bei den zahlreichen Rentierskeletten, die unsere Vorfahren mit schweren Steinen in Brust- und Bauchhöhle in mehreren, mittlerweile versandeten Seen Norddeutschlands versenkt hatten. Das durchgehend weibliche Geschlecht der gerade geschlechtsreifen Tiere, die Versenkung im Wasser, das auch für die späteren Menschen bei Fruchtbarkeitsriten die zentrale Rolle spielt, lässt vermuten, dass man auch hier die Naturgeister oder die Urmutter Erde um nachwuchsstarke, fruchtbare Rentierherden bat.

Wie lange dieser Opferbrauch in Norddeutschland Bestand hatte, zeigen die sensationellen Funde auf Hof Stellmoor nahe Hamburg. Hier fand der Archäologe Alfred Rust in den 30er Jahren in zwei Kulturschichten eines mehrfach verlandeten Glazialteichs mehrere, durch Pfeile getötete und mit Steinen beschwerte Renkuhskelette. In 6,5 m Tiefe ergrub er außerdem Relikte der so genannten 'Hamburger Kultur' zusammen mit zwei Rentieropfern. Die Hamburger Kultur wird zwischen 12.000-10.500 v.u.Z. eingeordnet. Im Grabungshorizont von 4 m Tiefe ergab sich darüber hinaus ein reicher Fund aus der so genannten 'Ahrensburger Kultur', die 9.000-8.000 v.u.Z. datiert wird, darunter als Opfergaben ebenfalls wieder zwei erlegte und mit Steinen beschwerte zweijährige weibliche Rentiere. Zwischen den beiden Fundhorizonten lagen somit zwischen 1.500-4.000 Jahren. Dazwischen war der Teich längere Zeit verlandet gewesen.

Zwei Luren oder 'Kriegstrompeten' aus Brudevælte, Dänemark.

Die Orte sakral motivierter Niederlegungen sind in Nordeuropa und dem nördlichen Mitteleuropa bis weit ins erste Jahrhundert n. Chr. immer gleichartig: es sind Gewässer, Quellbereiche, Seen, Flüsse und Moore. Erst in römischer bzw. nachrömischen Zeit kamen vermehrt Opferplätze auf dem 'festen Land' hinzu.

Es würde an dieser Stelle zu weit führen auf alle Funde im Einzelnen einzugehen. Es sind einfach zu viele. Die Art und Zusammenstellung der Opfergaben und ihre große Zahl machen jedoch deutlich, wie wichtig den Menschen die in dem jeweiligen Gewässer vermutete Gottheit gewesen sein muss. Deponierungen in oder direkt an Gewässern waren bis rund 400 n.u.Z. die vorherrschende Art seiner Gottheit zu opfern.

Aus der nordeuropäischen Bronzezeit ab 2000 v.u.Z. sind uns eine Unzahl Gewässerfunde mit eindeutig sakralem Hintergrund bekannt. Allein aus den Seen Norddeutschlands und Südskandinaviens wurden rund 60 bronzene Luren geborgen. "Von dort konnten sie nicht wiedergeholt werden, sie waren auf ewig dem Boden bzw. dem Wasser anvertraut. Sie müssen Opferdeponierungen sein, jeder andere Erklärungsversuch versagt für sie." So der Archäologe Hänsel.


Der Sonnenwagen von Trundholm (dänisch: Solvognen), eine Skulptur aus der älteren Nordischen Bronzezeit (um 1400 v.Chr.).
Berühmt wurde auch der fast 60 cm lange Sonnenwagen von Trundholm aus der älteren Norddeutschen Bronzezeit (um 1400 v. Chr.), den man in einem Moorgebiet auf Seeland fand, oder auch der reich verzierte silberne Kessel von Gundestrup aus der La-Tène-Zeit (5.-1. Jahrh. v. Chr.) aus einem Moor bei Gundestrup in Nordjütland. Das Kultgefäß war vermutlich im 1. Jh. v.Chr. in Gallien hergestellt worden und ist auf unbekannte Weise nach Dänemark gelangt (unten).

Beide Opfergaben waren den Göttern offensichtlich ohne irgendwelche Schutzmaßnahmen auf bereits begehbaren Stellen innerhalb des Moors dargebracht worden. In unserer materialistisch geprägten Zeit erscheint dies unvorstellbar. Doch als Geschenke an eine Gottheit waren Opfergaben mit einem strengen Tabu belegt und es hätte Niemand gewagt, auch nur eine Hand danach auszustrecken.

Die Opferdeponierungen in den Flüssen Europas dürften in die Zehntausende gehen. Es handelt sich hierbei überwiegend um Waffen, vielleicht weil den Flüssen - zumindest später - meist männliche Gottheiten zugeordnet waren. Seltener wurden Schmuckgegenstände in Flüssen gefunden. Horte mit sakralen Gegenständen kennt man vorwiegend aus der späteren Bronzezeit.


Der silberne Kessel von Gundestrup mit rätselhaften Motiven aus der keltischen Mythologie. Das Kultbehältnis wurde 1891 in einem Torfmoor nahe der dänischen Stadt Gundestrup im jütländischen Himmerland gefunden. Der Silberkessel war in einzelne Motivplatten zerlegt worden.
Auch die große Zahl an Moorleichen ist nicht zu übergehen. Die Fachliteratur spricht von deutlich mehr als 1.000 Funden, vorwiegend Männern, die ihren Tod in der Regel unfreiwillig im Moor fanden. Geht man davon aus, das einige dieser Menschen im Moor auch nur verunglückt sind, Verbrechen zum Opfer fielen oder vielleicht Selbstmord begingen, so sind die Forscher davon überzeugt, dass es sich bei den meisten Toten eindeutig um Menschenopfer handelt, also um Geschenke der damaligen Menschen an eine weibliche Gottheit, deren Wohnort sie in dem jeweiligen Gewässer vermuteten. Man schenkte der Göttin das Wertvollste, das man ihr geben konnte - das Leben und den Schmerz eines Menschen. Den religiösen Charakter der Funde unterstreichen eindeutige Merkmale, wie Nacktheit, geschorenes Haupthaar, typische Gewaltspuren, rituelle Fesselungen oder Äste, Zweige oder Steine mit denen die Opfer unter Wasser gehalten wurden. Der holländische Spezialist für Moorleichen van der Sanden begründet den sakralen Opfercharakter der Moorleichen mit den Worten: "Ein wichtiges, vielleicht sogar das wichtigste Argument stellt die Bedeutung des Moores als feuchter Platz dar, an dem man versuchte, Kontakte mit übernatürlichen Kräften aufzunehmen, und an dem eine Übergabe einfacher, aber auch kostbarer Gegenstände stattfand, um diesen Kontakt zu besiegeln." klaus kramer

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1952 wurde diese jugendliche Leiche im Domslandmoor bei Windeby gefunden. Mit Hilfe der Radiokarbonmethode konnte der Todeszeitpunkt auf die Zeit zwischen 41 und 118 nach unserer Zeitrechnung eingegrenzt werden. Um die Todesumstände des Jungen von Windeby, den man zunächst für ein junges Mädchen hielt, rankten sich viele Spekulationen und Theorien. Die meisten Forscher gehen von einer Hinrichtung aus. Hierfür sprechen die Augenbinde und das kurz geschorene Haar des Toten. Gegen die Hinrichtungsthese sprechen eine sorgfältige Ausgestaltung des Grabes im Moor und das Betten des Toten auf Heidekraut, sowie seine Bedeckung mit Wollgras. In der Nähe des Toten wurden starg aufgelöste Tongefäße und Reste von Kleidungsstücken gefunden. Hatte man den Jugendlichen den im Moor vermuteten Göttern zurückgegeben?

Nur fünf Meter von dem Jungen entfernt wurde eine rund 300 Jahre ältere Leiche eines Mannes im Moor gefunden.

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Der Tollund-Mann wurde 1950 in einem Hochmoor im Bjaeldskovdal, 10 km westlich von Silkeborg in Dänemark entdeckt. Die Schlinge, die sich noch immer um seinen Hals befand, zeugt von einem gewaltsamen Tod durch Erhängen oder Erwürgen. Vermutlich war der Tollund-Mann als Menschenopfer getötet und anschließend dem Moor übergeben worden. Neueste C14-Untersuchungen ergaben, dass der Tollund-Mann um 350 v.Chr., also in der vorrömischen Eisenzeit, gelebt hat.

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